Tui kämpft mit Containerschiffen gegen die Flaute am Reisemarkt

- Hannover - Zunächst war der Konzern als Preussag ein Industrie-Konzern. Erst nach dem Umbau zum Reiseriesen nannte er sich Tui. Nun will der Konzern zum Container-Giganten aufsteigen. Er will für 1,7 Milliarden Euro die kanadische Containerreederei CP Ships übernehmen und so die im weltweiten Vergleich zu kleine Tochter Hapag-Lloyd absichern. Tui bietet den Aktionären von CP Ships 21,50 US-Dollar pro Aktie. Das sind fast 10 Prozent Aufschlag auf den Freitags-Schlusskurs.

Die geplante Übernahme verläuft freundlich. Die Leitung der kanadischen Reederei hat den Anteilseignern empfohlen, das Angebot anzunehmen.

Der Reiseriese aus Hannover will den Kaufbetrag teilweise über eine Kapitalerhöhung finanzieren. Durch eine Fusion mit der Tui-Tochter Hapag-Lloyd würde ein neuer Marktriese entstehen, der zum fünftgrößten der Welt aufsteigen würde. Durch ein Zusammengehen von CP Ships mit Hapag-Lloyd rechnet Tui mit Synergien in Höhe von jährlich 180 Millionen Euro ab dem dritten Jahr nach Abschluss der Transaktion.

Die geplante Übernahme von CP Ships sei für Tui "sowohl strategisch als auch wirtschaftlich" von hoher Bedeutung, betonte Tui-Chef Michael Frenzel. Das durch die Übernahme ausgebaute Schifffahrtsgeschäft werde "hervorragend positioniert sein, um am langfristigen Wachstum in der Containerschifffahrt zu partizipieren".

Das ist eine strategische Kehrtwende. Noch im vergangenen Jahr wollte Tui seine hoch profitable Schifffahrtssparte an der Börse verkaufen, um die drückenden Schulden zu tilgen. Im September wurde das Geschäft überraschend abgesagt und als Begründung die schwache Lage an den Kapitalmärkten genannt.

Die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd transportiert mit mehr als 50 Schiffen weltweit Container. Die Geschäfte laufen gut, weil unter anderem der China-Boom die Frachtraten in die Höhe treibt. Im vergangenen Jahr erzielte Hapag Lloyd ein Rekordumsatz von 2,7 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von 278 Millionen Euro.

Damit ist die Reederei deutlich profitabler als das Hauptgeschäft der Tui, die Touristik. In den letzten Krisenjahren konnte sich Tui regelmäßig auf Millionenprofite aus Hamburg verlassen, während die Reisebranche durch ein dreijähriges Tief ging. Frenzel will dieses sichere Standbein ausbauen und den Konzern unabhängiger von den Schwankungen in der Touristik machen.

Gemeinsam würden CP und Hapag-Lloyd derzeit über eine Flotte von 139 Schiffen verfügen, die mehr als 100 Routen weltweit bedienen. Der neue Schifffahrtsriese käme rechnerisch auf einen gemeinsamen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 588 Millionen Euro für das Jahr 2004.

In der Containerbranche rollt zurzeit eine Konzentrationswelle, die die weltweit gesehen kleine Hapag Lloyd (weltweit Nr. 13) unter Druck setzt: Der Marktführer Maersk aus Dänemark übernimmt den Konkurrenten P&O. P&O aber war bisher mit Hapag Lloyd in der Arbeitsgemeinschaft Grand Alliance verbunden.

Durch den Zukauf will Tui nun Hapag Lloyd in eine überlebensfähige Größe führen. Tui geht davon aus, dass die Übernahme noch im Laufe des Jahres abgeschlossen werden kann.

Die Finanzierung des Angebots ist dem Reisekonzern zufolge zunächst durch Banken sichergestellt. Danach plant Tui eine Kapitalerhöhung von rund einer Milliarde Euro. Die Kosten der Integration veranschlagte der weltgrößte Touristikkonzern auf rund 100 Millionen Euro. Bis 2008 soll die Integration abgeschlossen sein.

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