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Jean-Claude Trichet, Präsident der Notenbank, ist tief beunruhigt über die Konjunktur.

Leitzinsen sinken erneut

EZB kämpft gegen die Wirtschaftskrise

Frankfurt - Mit der zweiten drastischen Zinssenkung in Folge kämpft die Europäische Zentralbank (EZB) gegen die Auswirkungen der Finanzkrise. „Wir schließen nicht aus, die Zinsen weiter zu senken“, kündigte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet an.

Der Rat der Notenbank beschloss, den Leitzins im Euro-Raum von 3,75 auf 3,25 Prozent zu verringern. Nach Trichets Worten hatten die Währungshüter sogar eine noch stärkere Senkung um 0,75 Prozentpunkte in Betracht gezogen. Experten rechnen bereits im Dezember mit dem nächsten Schritt nach unten.

Die Aussichten für die Wirtschaft seien düster, sagte Trichet: „Die Verschärfung und Ausweitung der Finanzmarktkrise wird höchstwahrscheinlich die Nachfrage weltweit und im Euro-Raum für eine lange Zeit dämpfen.“ Die Europäische Kommission erwartet für die europäische Wirtschaft im nächsten Jahr Stillstand.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Folgen der Zinssenkung:

-Wie wirken sich Veränderungen des Leitzinses im Allgemeinen auf Verbraucher aus?

Nach Einschätzung von Verbraucherschützern hat der Dreh an der Zinsschraube keinen unmittelbaren Einfluss auf die Zinsen für Einlagen oder Kredite. Wie schnell der Verbraucher die Entscheidung der Zentralbank spüre, hänge erfahrungsgemäß davon ab, ob die Änderung überraschend komme oder schon vom Markt erwartet worden sei. Kurzfristige Anlagen und Kredite folgen dem Leitzins traditionell schneller als langfristige. Bei steigendem Leitzins bemerken dies Kunden nach der Erfahrung der Verbraucherschützer bei Raten- oder Überziehungskrediten früher als bei Spareinlagen. Umgekehrt wirkten sich Senkungen oft eher für Sparer in fallenden Zinsen aus als für Kreditnehmer.

-Welche Folgen könnte die aktuelle Senkung haben?

Selbst Fachleute tun sich schwer, dies vorherzusagen – denn die Finanzkrise scheint bisherige Grundregeln infrage zu stellen: „Früher war die Sache eindeutiger“, sagt Roland Aulitzky, Geldanlagen-Experte der Stiftung Warentest. „Im Moment kann man gar nichts sagen“, stellt auch der Finanzexperte der Verbraucherzentrale, Thomas Bieler, fest. Bei der Entwicklung der Zinsen spielten auch andere Faktoren eine Rolle, betont seine Kollegin Sylvia Beckerle. Falls die Banken sich weiter gegenseitig kein Geld leihen, können Sparer ihrer Einschätzung nach wie vor auf hohe Zinsen hoffen, da die Institute dann auf diese Mittel angewiesen seien.

-Gingen nach der vergangenen Senkung der Leitzinsen die Zinsen für Sparer zurück?

„Erstaunlicherweise gibt es nach wie vor gute Angebote bei Tagesgeld, die deutlich über dem Leitzinsniveau liegen“, sagt Beckerle. „Die letzte Senkung hat sich da nicht ausgewirkt“, bestätigt auch Aulitzky. Einzelne Anbieter seien sogar nach oben gegangen, zwischen fünf und sechs Prozent sei bei einigen drin. Bieler stellt allerdings einige Zinssenkungen bei kurzfristigen Einlagen fest, wenn auch keinen Einbruch. Eine Tendenz sei aber da und könne sich nach der weiteren Leitzins-Senkung verstärken.

-Wie entwickelten sich seither die Zinsen bei Verbraucherkrediten?

Bei Ratenkrediten hat es nach Auskunft der Expertin der Stiftung Warentest, Stephanie Pallasch, keine nennenswerten Änderungen im vergangenen Monat gegeben. Konsumentenkredite seien nach wie vor relativ günstig, berichtet Beckerle. Allerdings würden sie zunehmend in Abhängigkeit von der Bonität vergeben.

-... und bei Baufinanzierungen?

„Die Zinsen sind seit Anfang Oktober runtergegangen“, sagt Heike Nicodemus, Expertin für Baufinanzierungen der Stiftung Warentest – bei Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung von über fünf Prozent auf bis zu 4,5 Prozent. Die Zinsschere gehe damit weiter auseinander, da einige Anbieter nicht senkten. „Die Konditionen sind nach wie vor sehr günstig“, bestätigt Bieler. Zwischen Baufinanzierungen und Leitzins gebe es allerdings kaum einen Zusammenhang.

Samuel Heller

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