Käufer für AC Parma gesucht

- Rom - Der Gründer des insolventen italienischen Parmalat-Konzerns, Calisto Tanzi, ist im Mailänder Gefängnis von Ärzten untersucht worden. Sie sollen feststellen, ob der Gesundheitszustand des 65-Jährigen, der 1999 einen Herzinfarkt erlitten hatte, mit einer Haft vereinbar ist, berichtete das italienische Fernsehen.

<P>Die Ärzte müssen bis Mitte Januar ein Gutachten erstellen. Anschließend werde erneut entschieden, ob Tanzi im Gefängnis bleibt oder unter Hausarrest gestellt wird. "Tanzi hat einen sehr geschwächten Eindruck gemacht", sagte einer der Mediziner. Zu Silvester war ein entsprechender Antrag wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr abgelehnt worden. Tanzi soll gestanden haben, 500 Millionen Euro abgezweigt zu haben. Und er soll das Bilanzloch auf acht Milliarden Euro beziffert haben. "Parmalat war eine einzige große kriminelle Vereinigung", verlautete aus der Staatsanwaltschaft.</P><P>Insolvenzverwalter Enrico Bondi will als Sofortmaßnahme zur Rettung des zahlungsunfähigen Konzerns zunächst den Fußballklub AC Parma verkaufen. Er begründete die Pläne damit, dass der Fußballklub nicht zum Kerngeschäft gehöre. Tanzi hält 99 Prozent an dem Verein, bei dem durch den Bilanzskandal wichtige Geldströme ausbleiben. Der Lebensmittelriese Barilla dementierte Gerüchte, wonach er Interesse habe. Der AC Parma ist mit 77 Millionen Euro verschuldet.</P><P>Nach kurzer Silvester-Pause laufen die Ermittlungen im Milliarden-Bilanzskandal um Parmalat unterdessen wieder auf Hochtouren. Am Freitag wurden die acht festgenommenen Manager und Berater verhört. Unter ihnen sind die ehemaligen Finanzchefs Fausto Tonna und Luciano Del Soldato, Tonnas enger Mitarbeiter Gianfranco Bocchi, der einen großen Teil der Bilanzfälschungen ausgeführt haben soll, sowie der Italien-Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton, Lorenzo Penca.<BR>Ein neunter Haftbefehl wurde gegen den Präsidenten von Parmalat Venezuela ausgestellt, der sich derzeit im Ausland aufhält, aber nach Angaben seines Anwalts nach Italien zurückkehren will.</P><P>Den Verdächtigen drohen im Falle einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu 20 Jahren. Nach Erkenntnissen der Ermittler könnten die Bilanzfälschungen beim Milchriesen bereits vor 15 Jahren begonnen haben. Von hunderten Millionen Euro fehlt noch immer jede Spur.</P>

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