Münchner (53) brutal zusammengeschlagen - Täter flüchtig

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Kahlschlag der Konzerne

- München - Während die Parteien in Berlin um die Macht ringen, setzen deutsche Konzerne ungebremst den Arbeitsplatzabbau fort. In den vergangenen Tagen gab es wieder neue Hiobsbotschaften: Der Siemens-IT-Dienstleister SBS will 2400 Jobs in Deutschland streichen, bei einer Tochter des Optikkonzerns Zeiss ist fast jeder dritte der 1360 Arbeitsplätze in der Brillenglasproduktion in Gefahr, der Zementhersteller HeidelbergCement will in seiner europäischen Verwaltung 1100 Stellen abbauen, davon etwa 220 in Deutschland. Auch bei HypoVereinsbank und Allianz, Mercedes und Volkswagen - einst stabile Säulen der so genannten Deutschland AG - zittern die Beschäftigten um ihre Jobs.

Nicht nur das Institut der deutschen Wirtschaft fordert daher: "Die künftige Bundesregierung muss einen neuen Anlauf zu einer Wirtschaftspolitik nehmen, die mehr Menschen in Beschäftigung bringt und Deutschland dauerhaft wieder auf den Wachstumspfad zurückführt."

Experten warnen aber davor, nur auf die großen Konzerne zu schauen. "In der Industrie ist weniger als ein Viertel der Menschen beschäftigt", sagte Gernot Nerb, Chefvolkswirt des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Wenn ein großer Konzern mehrere hundert Stellen abbaue, gebe das spektakuläre Nachrichten. "Es gibt aber eine Menge kleinerer und mittlerer Firmen, die bringen in der Summe viel mehr Arbeitsplätze." Gerade die kleinen Firmen seien von politischen Entscheidungen und dem Umfeld in Deutschland abhängiger. "Die haben nicht die Möglichkeit des Outsourcings." Einzelhandel und Dienstleistungssektor seien völlig von der Binnenkonjunktur abhängig. Daher lasse sich in Deutschland durchaus etwas bewegen.

Mit der Bundestagswahl haben die Stellenstreichungen vieler größerer Unternehmen nichts zu tun, die Pläne wurden bereits in den vergangenen Wochen und Monaten ausgearbeitet. Die Gewerkschaften sehen vor allem den wachsenden Druck der Kapitalmärkte als Ursache für die massiven Stellenstreichungen bei den großen Unternehmen. Selbst Konzerne, die wie Siemens Milliardengewinne machen, müssten permanent die Kosten drücken, um die Rendite-Erwartungen zu erfüllen. "Den Druck der Börse gab es schon vor ein paar Jahren, aber jetzt ist das Management 1:1 bereit, diesen Druck an die Beschäftigten weiterzugeben", schimpfte Siemens-Aufsichtsrat Wolfgang Müller. Niedrigere Lohnnebenkosten und Steuergeschenke würden da zwar die Gewinne der Konzerne weiter erhöhen, ob die Firmen dann aber mehr einstellen würden, sei nicht gewiss, argumentieren Arbeitnehmervertreter.

Während Konzerne wie Siemens heute den Großteil ihrer Umsätze im Ausland machen, hoffen vor allem die Selbstständigen und die Kleinbetriebe in Deutschland auf Entlastung. "Viele kleine Firmen haben aus Verunsicherung ihre Investitionen zurückgestellt", sagt Ifo-Experte Nerb. In Sachen EDV zum Beispiel sei bei vielen in den vergangenen fünf Jahren überhaupt nichts mehr passiert.

Wenn nun die kleinen Firmen wieder Mut fassen würden, sei dies viel wichtiger für den Arbeitsmarkt als die Lage bei den großen Konzernen. "Wenn die kleinen Firmen jeweils ein oder zwei Menschen zusätzlich einstellen, bringt das dem Arbeitsmarkt viel mehr."

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