DBA und der Kaiser-Franz-Effekt: E-Mail sticht Geschäftsbericht

- München - Man kennt das sonst nur vom FC Bayern. Ein Jahr lang schuftet der Manager, wähnt seinen Verein auf einem prächtigen Weg. Dann erscheint der Franz, sagt was, und plötzlich sind Ballack und Co. nur noch Feierabendkicker. Bei der DBA wäre durch eine E-Mail ihres Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Rudolf Wöhrl beinahe der historische Geschäftsbericht untergegangen. Erstmals in seiner 13-jährigen Geschichte, schreibt das Münchner Unternehmen Gewinn. Es ist ein Plus von 1,7 Millionen Euro, im Vorjahr war man noch mit 62 Millionen in der Kreide gestanden.

Das Wort vom "Kaiser-Franz-Effekt" gefällt den Geschäftsführern Martin Gauss und Peter Wojahn. Nein, ins Alltagsgeschäft rede ihnen Wöhrl nicht hinein, "das würden wir uns gar nicht gefallen lassen", sagt Wojahn. Wöhrl präsentiere sich den Kunden im Vorwort des Bord-Magazins und regelmäßig per E-Mail der Belegschaft. Diese, so beteuert Gauss, habe die Nachricht von den 17,8 Millionen Euro Zusatzkosten durch die Scheidung von Germania Express (Gexx) gelassen aufgenommen und sei erst durch "aus dem Zusammenhang gerissene Zitate" in den Medien verunsichert worden. Nach einer weiteren Mail - diesmal von Gauss - sei alles wieder im Lot. Schließlich habe sich ja auch abgezeichnet, was gestern nun offiziell wurde: ein Gewinn von 1,7 Millionen Euro für 2004/05.Ein Überschuss, der mit Gexx aber nichts zu tun gehabt habe (Gauss: "Im Geschäftsjahr sind nur vier Tage mit den Gexx-Strecken enthalten"), sehr wohl aber mit der jüngsten Entwicklung der Passagierzahlen. Einen 70-Prozent-Zuwachs von April bis Juni verzeichnet die drittgrößte deutsche Fluglinie. Von 3 auf 4,3 Millionen soll die Passagierzahl heuer steigen, fünf Millionen sind für die Zukunft anvisiert.Fünf Millionen Passagiere angepeilt

Die schnelle Scheidung von Gexx werfe die DBA nicht aus der Bahn. "Wir wollten einen ernsthaften Konkurrenten schlucken", sagt Gauss, "und das haben wir auch getan". Über die Kosten des Anteile-Rückkaufs sei mit Germania-Chef Hinrich Bischoff Stillschweigen vereinbart worden, aber letztlich sei die DBA durch Hochzeit und Blitzscheidung besser gefahren als durch einen Aufkauf. Gauss: "Wir haben nun 29 Flugzeuge und die Strecken von Gexx. Für den Kunden hat sich sowieso nichts geändert." Die DBA wolle alle internationalen Verbindungen aufrecht erhalten, die Ibiza-Flüge aber saisonbedingt aus dem Winterflugplan nehmen. Insgesamt aber werde man die Frequenzen steigern und die Flotte langfristig von 29 auf 35 Maschinen erhöhen, was auch zusätzliches Personal mit sich bringen würde: zwar nicht in der Verwaltung, aber im operativen Bereich. Hier gilt die Faustregel: pro Flieger 30 neue Jobs für Crew und Technik.Für die Zukunft ist den Geschäftsführern nur in einem Punkt bange. Das Terminal 1 am Münchner Flughafen wird ihnen zu eng. Spätestens ab Frühjahr nächsten Jahres seien alle Kapazitäten aufgebraucht, müsse die Airline das Modul A alleine nützten dürfen, fordert Gauss. Für das neue Geschäftsjahr peilt er 400 Millionen Euro Umsatz (gegenüber 265 Millionen im abgelaufenen Geschäftsjahr) und "wieder einen kleinen Gewinn an, der aber höher als 2004 ausfallen soll". Ob dies gelingt, hänge nur bedingt von den Tarifverhandlungen ab. Diese seien nur ein kleines Mosaiksteinchen, sagt er. Er gehe entspannt in die Gespräche mit der Vereinigung Cockpit, die am 27./28. Juli in Erding stattfinden sollen. "Vorher wird immer getrommelt", sagt er und fügt hinzu "von beiden Seiten".

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