Kakerlake statt Erdnuss: Wenn der Restaurantbesuch zum Desaster wird

- Ein Restaurantbesuch soll der Entspannung dienen: Kein Einkauf, kein Kochen ­ und gespült wird auch nicht. Warum jedoch so mancher Gast nach dem Dinner außer Haus total verspannt ist, wissen Deutschlands Richter. Urteile aus der Gastronomie:

Hartes Carpaccio

Zertrümmert sich der Gast eines Restaurants beim Verzehr eines Carpaccio einen Zahn, weil er auf einen nicht identifizierbaren harten Fremdkörper gebissen hat, muss der Gastwirt Schmerzensgeld und Schadenersatz (hier in Höhe von 700 Euro) leisten. Das Amtsgericht Köln verpflichtete den Restaurantbesitzer zusätzlich, künftige Schäden, die aus dem Malheur resultieren, zu begleichen (Az.: 122 C 208/05).

Stein im Cevapcici

Führt der Gast eines Restaurants das Abbrechen eines Zahns auf einen -­ in der Speise verborgenen -­ harten Gegenstand zurück, so muss er die Geschehnisse beweisen -­ am Besten durch Vorzeigen des Fremdkörpers. Der Gast kann nicht argumentieren, es müsse der "Beweis des ersten Anscheins" angewendet werden. In einem Fall vor dem Bundesgerichtshof hatte ein Mann beim Verzehr von verschiedenen gegrillten Fleischsorten auf einen harten Gegenstand gebissen und behauptet, der hätte sich in einem Hackfleischröllchen (Cevapcici) versteckt. Der Restaurantbetreiber sollte Schadenersatz leisten. Weil es aber gerade nicht "nach der Lebenserfahrung typisch" ist, dass in der Hackfleischmasse verborgene Fremdkörper stecken, müsse der Vorfall handfest bewiesen werden. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass der Gast versehentlich Knochen- oder Knorpelreste aus anderen Fleischstücken des Gerichts mitaufgenommen habe. Möglich sei schließlich auch, dass der Zahn vorgeschädigt gewesen sei (Az.: VIII ZR 283/05).

Rotwein auf dem Stuhl

Ein Restaurantbesitzer, der seine Stühle mit cremefarbenen Bezügen versehen hat, die nicht mehr bestellt werden können, kann keinen Schadenersatz von einem Gast verlangen, der durch ungeschicktes Verhalten mehrere Stühle mit Rotwein befleckt. Zwischen Restaurantbetreiber und Gast ist ein stillschweigender Haftungsverzicht zustande gekommen. Anderes würde nur gelten, wenn Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden könnte (Amtsgericht Augsburg, 23 C 149/03).

Kakerlake statt Erdnuss

Beißt der Besucher eines (hier: chinesischen) Restaurants statt auf eine Erdnuss auf eine Kakerlake, so kann der Betreiber der Gaststätte zu einem Ordnungsgeld (hier in Höhe von 1000 Euro) herangezogen werden. Hier wurde das Restaurant zudem geschlossen, weil von den alarmierten Behörden in der Küche weitere -­ sowohl lebende als auch verendete -­ Exemplare gefunden wurden (Amtsgericht Rastatt, 9 Cs 205 Js 1187/04).

Gefährlicher Burger

Verspürt ein Fast-Food-Kunde -­ während er einen "Burger" isst -­ plötzlich einen "blitzartigen Schmerz" im linken Oberkiefer und verschluckt vor Schreck den Bissen, muss der Betreiber des Fast-Food-Restaurants für die Zahnbehandlung aufkommen, wenn der Zahnarzt bezeugt, dass die Zahnsprengung "nicht durch den Biss in eine Semmel oder durch unglücklichen Aufbiss von Unter- und Oberkiefer" verursacht wurde (Amtsgericht München, 113 C 38353/01).

Geschmackloser Braten

Kann die Wirtin eines Restaurants nicht beweisen, dass ihr Sauerbraten, den ein Gast zurückgehen lässt ("Die Soße ist hell, mehlig und schmeckt nach Schwein, das Rotkraut ist verkocht"), von "mittlerer Art und Güte" war, so kann sie die Bezahlung (hier ging es um 7 Euro) nicht gerichtlich durchsetzen (Amtsgericht Auerbach, 3 C 883/01).

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