Kalte Dusche für Aktienbesitzer

Börsen im Überblick: - Der Höhenflug am deutschen Aktienmarkt ist vorerst zu Ende. Der Dax gab in den vergangenen Tagen deutlich nach und entfernte sich weit von der 8000-Punkte-Marke. Ob die anhaltende Talfahrt in einem Absturz endet, darüber streiten die Börsenexperten.

Ende vergangener Woche kratzte der Deutsche Aktienindex Dax noch an seiner alten Rekordmarke aus dem Jahr 2000. Ein paar Handelstage später ist der Höchststand wieder in weite Ferne gerückt. Der Dax hat seit seinem Zwischenhoch bei 8009 Zählern am letzten Freitag rund 400 Punkte verloren. Am Donnerstag ging der Index mit einem Minus von 1,44 Prozent mit 7618,61 aus dem Handel. Am Mittwoch hatte der Dax bereits 190 Punkte eingebüßt. Auch M-Dax und Tec-Dax verzeichneten Einbrüche.

"Das war die längst überfällige Korrektur", sagte Christian Kahler, Marktbeobachter bei der DZ-Bank in Frankfurt gegenüber unserer Zeitung. Nach seiner Einschätzung bewegen sich die Verluste im Rahmen der Erwartungen. Der Markt sei in den vergangenen Wochen sehr heiß gelaufen. Kahler: "Jetzt bekommen wir einen Durchhänger." Das von anderen Analysten vor wenigen Tagen noch erwartete Allzeithoch sieht er damit in weite Ferne gerückt.

Wie weit die Aktienkurse noch runtergehen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Konsens ist jedoch, dass eine nachhaltige Konsolidierung ansteht, auch weil die Investoren ihre Gewinne mitnehmen. Christian Kahler sieht den Dax in den kommenden sechs Monaten auf ein Niveau von 7400 bis 7500 Punkte sinken. Michael Harms vom Bankhaus Delbrück Bethmann Maffei hatte zuvor von einem Kursgewitter gesprochen, das die Kurse auf bis zu 7200 Punkte drücken könnte. Besonders schwarz sieht ist die Investmentbank Morgan Stanley: "Unser Modell sagt eine Korrektur von 14 Prozent voraus", erklärte ein Analyst. Bezogen auf den Dax wären das 6900 Punkte, was andere Marktbeobachter aber für "sehr pessimistisch" halten.

Morgan Stanley stützt die Negativ-Prognose auf das seltene Zusammenkommen von ungünstigen Werten dreier Schlüsselindikatoren. Sorgen machen den US-Bankern unter anderem die steigenden Zinsen, die ein kritisches Niveau erreicht hätten ­ das sei wichtiger für die Aktienmärkte als das Wirtschaftswachstum, hieß es. Zudem würden sich die Anleger derzeit zu sehr auf der hohen weltweiten Liquidität ausruhen. Die Märkte kehrten aber immer zu einer fundamentalen Bewertung zurück ­ daher könnte es ein "böses Erwachen" geben. Morgan Stanley geht nun davon aus, dass der mittelfristige Aufwärtszyklus am europäischen Aktienmarkt vorbei ist.

Im Dax notierten zum Handelsschluss am Donnerstag an der Frankfurter Börse nur die Titel der Deutschen Post im Plus. Die Papiere des Konzerns stiegen um 1,05 Prozent auf 23,96 Euro. Händler verwiesen auf erneute Gerüchte um ein Interesse des Hedge-Fonds TCI an der Post.

Die Autobauer hielten ihre Verluste zumindest in Grenzen. Aktien von Daimler-Chrysler verloren 0,43 Prozent auf 64,49 Euro und damit weniger stark als der Markt. MAN-Papiere gaben indes ungeachtet eines positiven Kommentars von JP Morgan 2,16 Prozent auf 102,00 Euro ab.

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