Kalter Pool, überbuchtes Hotel: So werden Reisemängel reklamiert

- Monatelang hat man sich auf den Sommerurlaub gefreut und dann das: Der Flieger startet mit erheblicher Verspätung, das Zimmer ist schmutzig und Baulärm stellt die Nerven auf eine harte Probe. Wer die schönsten Wochen im Jahr jetzt noch retten oder zumindest einen Teil der Reisekosten zurückerstattet haben will, muss einiges beachten. Denn auch das richtige Reklamieren will gelernt sein.

Den Prospekt richtig lesen

Ein gelungener Urlaub fängt bei der Buchung an: "Grundsätzlich gilt, dass alles, was im Prospekt steht, wahr ist", erklärt Petra von Rhein, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern. Doch dieser muss auch richtig gelesen werden. "Meerseite bedeutet nicht mit Meerblick und ein beheizbarer Pool muss nicht unbedingt auch beheizt sein", führt die Expertin aus. Wird auf Clubatmosphäre hingewiesen, ist es am Urlaubsort oft laut und ein naturbelassener Strand kann vermüllt sein. Somit ist es ratsam, alle Punkte, auf die der Urlauber Wert legt, auf der Buchungsbestätigung vermerken zu lassen. Ein unverbindlicher Kundenwunsch bei der Anmeldung im Reisebüro ist vor Ort nichts wert.

Reiseleitung ist Ansprechpartner

Wenn auf den Urlauber trotz Bestätigung kein ruhiges Zimmer wartet, sollte sich dieser sofort mit der Reiseleitung in Verbindung setzen. "Die Mängel müssen schriftlich reklamiert und von der Reiseleitung unterzeichnet werden", erklärt von Rhein. Gleichzeitig gilt es Abhilfe mit einer kurzen Frist zu fordern. Nun sollten die Verantwortlichen handeln. Wenn das aber wiederum nicht zufriedenstellend ist, muss unterschrieben werden, dass trotz Alternative Minderungsansprüche geltend gemacht werden können. Wichtig sei es laut Petra von Rhein, sich nicht an das Hotelmanagement, sondern immer an die Reiseleitung zu wenden.

Doch die ist nicht immer kooperativ: "In diesem Fall müssen Zeugen gesucht werden, die bestätigen können, dass nicht für Abhilfe gesorgt oder eine Unterschrift verweigert wurde." Wenn nichts geschieht, muss sich der Urlauber selbst helfen. Dabei sollte aber immer die Schwere der Mängel im Auge behalten werden: "Ist das Zimmer 22 statt 24 Quadratmeter groß, ist das natürlich kein Grund, ein anderes Hotel zu suchen", erläutert von Rhein.

Ganz anders sieht es aus, wenn die Ferienanlage überbucht ist oder statt der georderten Familiensuite nur zwei weit voneinander entfernte Doppelzimmer zur Verfügung stehen. In diesen Fällen kann auf eigene Faust ein anderes Hotel derselben Kategorie gesucht werden. Ist ein solches nicht zu finden, darf es auch eine oder zwei Kategorien höher sein.

Lässt sich kein Verantwortlicher blicken und ist der Urlaub keinesfalls mehr zu retten, dann bleibt nur noch eine Möglichkeit: Die Reise abbrechen. Die Kosten für den Flug müssen erstattet werden. Der Reiseleitung muss dieser Schritt aber auf jeden Fall angekündigt werden.

Vierwöchige Frist unbedingt beachten

Bis spätestens vier Wochen nach geplanter Rückkehr kann vom Veranstalter eine Entschädigung verlangt werden. Hier werden auch die Zeugenaussagen sowie "Beweisaufnahmen" gebraucht. Weitere Ratschläge und Tipps gibt es bei der Verbraucherzentrale Bayern im Internet unter www.verbraucherzentrale-bayern.de oder telefonisch unter der Rufnummer 089 / 53 98 70.

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