Kampf um das AEG-Werk geht weiter

- Nürnberg/München - Das Ringen um den Nürnberger AEG-Standort geht weiter. Zwei Wochen nach Beginn des Arbeitskampfes in dem Hausgeräte-Werk trafen sich am Donnerstagabend wieder Vertreter der IG Metall und des schwedischen Electrolux-Konzerns zu einer Verhandlungsrunde. Dabei legte das Unternehmen der von der geplanten Werksschließung betroffenen Belegschaft erstmals ein Angebot vor, das zwei Optionen für jeden der 1700 Mitarbeiter vorsieht: Entweder sie wählen eine Abfindung in Höhe von 0,7 Monatsgehältern je Dienstjahr oder sie lassen sich bei vollem Lohnausgleich in eine Beschäftigungsgesellschaft übernehmen.

Das "Nürnberger Modell" genannte Paket habe ein Volumen von rund 60 000 Euro je Mitarbeiter und liege über sämtlichen bisher mit dem AEG-Betriebsrat vereinbarten Sozialplänen, erklärte Electrolux. Der für Europa zuständige Sprecher bezeichnete das Angebot vor Beginn des Treffens als "attraktiv". Er hoffe auf einen konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmervertretern, um endlich einen Schritt voran zu kommen.

Während einer kurzen Verhandlungspause am frühen Abend nannte Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer das Angebot allerdings nicht akzeptabel. "Wir sind tief enttäuscht", sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft. Die Gespräche dauerten bis nach Redaktionsschluss.

Zuvor hatte Neugebauer im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, er wolle weiter für den Erhalt des Nürnberger Werks kämpfen. "Das bleibt unsere Forderung", sagte er. Neugebauer räumte jedoch ein, dass die IG Metall weder über "politische noch rechtliche Möglichkeiten" verfüge, eine Schließung zu verhindern. "Wenn wir das nicht erreichen, wollen wir höhere Abfindungen und längere Beschäftigungsbrücken."

Dabei gehen nach Einschätzung des Gewerkschafters nicht nur die Jobs bei AEG verloren, sollte der Standort trotz des Widerstands dicht gemacht werden. "Wir reden über bis zu 3000 Arbeitsplätze, die in der Folge betroffen wären", sagte er. Etwa 400 davon zählten zu einem Zulieferbetrieb, der gleich neben der Nürnberger AEG-Fabrik Kabel und Kleinteile fertigt.

Unterstützung erhielten die Arbeitnehmer von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering. "Ich möchte, dass Ihr Euch mit Eurem Streik durchsetzt. Meine Solidarität ist mit Euch", sagte der SPD-Politiker am Nachmittag bei einer Kundgebung auf dem Nürnberger Werksgelände. Er sprach sich für den Erhalt des Werks aus und kritisierte Electrolux: "Ein gutes Unternehmen hat auch Rücksicht zu nehmen auf seine Mitarbeiter, durch die es groß und manchmal auch reich geworden ist."

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