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Attraktiver Arbeitsplatz: Bislang verdiente der Präsident des Sparkassenverbands Bayern (hier die Zentrale in München) 600 000 Euro jährlich.

Kampf um Bayerns Sparkassen-Spitze

München - Der Rückzug des bayerischen Sparkassen-Präsidenten Siegfried Naser ist besiegelt. Doch die Nachfolge ist offen. Um den gut dotierten Posten ist ein Machtkampf zwischen Landkreisen und Städten ausgebrochen.

Das Debakel der Bayerischen Landesbank hat reihenweise Amtsträger um ihre Posten gebracht. Nun ist auch der Rückzug von Siegfried Naser besiegelt. Als Präsident des Sparkassenverbands Bayern führte der 58-Jährige neun Jahre lang mit dem Bayerischen Finanzminister den Verwaltungsrat der Landesbank. Naser war also einer der Chefaufseher des Instituts, das mit spekulativen Wertpapieren und einer gewagten Expansion nach Osteuropa Milliarden versenkte. Ende Februar stelle Naser sein Amt zur Verfügung, teilte der Sparkassenverband gestern nach einer Vorstandssitzung mit. Damit verabschiedet sich Naser einen Monat später als geplant. Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass um seine Nachfolge ein Machtkampf entbrannt ist.

Die heikle Personalie wird zwischen Städtetag und Landkreistag zusammen mit dem Gemeindetag und den kommunalen Sparkassenvertretern ausgehandelt. Die CSU/FDP-Staatsregierung hat kein Mitspracherecht, da mag Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) noch so sehr über die Notwendigkeit eines überparteilich anerkannten Fachmanns als Nachfolger für Naser lamentieren. „Die kommunale Familie lässt sich nicht dreinreden“, heißt es.

Plötzlich werden Allianzen geschmiedet, treffen sich beispielsweise Städtetagschef Hans Schaidinger und der Gemeindetagschef Uwe Brandl zum Hintergrundgespräch – zwei Leute, die sich sonst „in herzlicher Abneigung verbunden sind“, wie ein Insider spottet. Und der Präsident des Bayerischen Landkreistages, Theo Zellner, telefoniert den kompletten Sparkassen-Verbandsvorstand (24 Mitglieder) durch – in der Hoffnung, genügend Leute auf seine Seite zu bekommen. Er hat allen Grund zu hektischer Telefonitis, schließlich hat sich der CSU-Mann selbst und ohne Absprache mit Beteiligten als Erster öffentlich ins Gespräch gebracht. Jetzt gehen ihm die Bataillone stiften.

Es geht um einen – nicht zuletzt – lukrativen Posten: Siegfried Nasers Jahressalär lag bei 600 000 Euro. Allerdings ist jetzt eine Halbierung der Bezüge im Gespräch. Die Sparkassen halten nach dem Milliardeneinstieg des Freistaats nur noch einen (derzeit nicht bezifferbaren) Mini-Anteil an der Landesbank. Für die Ausübung des Amtes als Sparkassen-Präsident genüge also eine ausgeprägte Affinität für die Belange der bayerischen Sparkassen und am besten noch kommunalpolitische Erfahrung, heißt es jetzt. Mit 300 000 Euro würde aber auch der künftige bayerische Sparkassenchef mehr verdienen als ein Landrat in Cham.

Zellner ist ein kluger Kopf. Er hat seinen Landkreis trotz Randlage wirtschaftlich nach vorn gebracht. Nachteil: Er ist schon 60, als Zukunftslösung wird er nicht gehandelt. Eigentlich hätte Zellner auch gerne einen Ministerposten gehabt, am besten ein auf ihn zugeschneidertes Ministerium für den ländlichen Raum. Die Pläne zerstoben – der Sparkassenjob wäre seine letzte Chance, noch einmal aus Cham rauszukommen. Vor allem die Städte hat Zellner mit seinem Vorpreschen jedoch verprellt. „Es besteht doch überhaupt keine Eile“, wundert sich der Geschäftsführer des Bayerischen Städtetags, Reiner Kneusl.

Diejenigen, die Zellner nicht so sehr mögen, erwähnen jetzt gerne, dass dieser früher Hauptschullehrer war – also für das Sparkassenamt nicht so furchtbar gut geeignet wäre. Dafür wird die Vita des Oberbürgermeisters von Kempten, Ulrich Netzer, gelobt. Der CSU-Mann war früher persönlicher Referent des Präsidenten der Oberfinanzdirektion München. Den dritten Kandidaten, den Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis, kannte man überregional vor allem als Ex-Ehemann der schillernden Gabriele Pauli. Er gilt CSU-intern jedoch als Wirtschaftsfachmann. Als 2005 das Amt des Bayerischen Städtetagschefs neu besetzt wurde, kandidierte Balleis nicht. Von daher gibt es eine alte Verbundenheit zwischen dem jetzigen Städtetagschef Hans Schaidinger und Balleis.

Sollte sich Schaidinger doch noch mit der Personalie Zellner einverstanden erklären, dann nur zu einem hohen Preis. Eine Möglichkeit wäre, dass der Regensburger Oberbürgermeister das Amt des 1. Vorsitzenden im Sparkassenverband erhält. Der bisherige Amtsinhaber, der Dachauer Landrat Hansjörg Christmann, hört planmäßig Ende 2011 auf. Bis dahin wäre auch Schaidingers unglückliches Engagement im Landesbank-Verwaltungsrat vergessen, heißt es.

Womöglich kommt jedoch alles ganz anders: Denn acht der 24 Vorstandsmitglieder im Verband sind Direktoren regionaler Sparkassen. Sollten sich Städte- und Landkreistag gegenseitig blockieren, könnte ein Vorschlag von dieser Seite Gehör finden: Im Gespräch ist Werner Netzel, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, ein Bayer, der von 1993 bis 2000 die Sparkasse Straubing-Bogen führte und danach bis 2006 als Nasers Stellvertreter fungierte, ehe er nach Berlin wechselte. „Ein Überflieger, eine Persönlichkeit“, heißt es.

Eine Kampfabstimmung um den Posten soll nach Möglichkeit vermieden werden: „Wir sollten uns möglichst auf einen Kandidaten einigen“, seufzt Gemeindetagschef Brandl.

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