Der Kampf um die Biertrinker: Mixturen für die "süße Generation"

- München - Lacht die Sonne, lachen die Brauer mit. Der Jahrhundertsommer brachte Rekord-Umsätze. Doch ziehen dunkle Wolken am Himmel der Brauer auf. Der gemeine deutsche Biertrinker wird seltener. Der Markt schrumpft Jahr für Jahr. Das hat auch damit zu tun, dass immer weniger junge Menschen Geschmack am traditionsreichen Gerstensaft finden. Die junge Generation hat einen eigenen Geschmack: einen süßeren. Deshalb wollen ihr Brauer mit neuen Trendgetränken den Mund wässrig machen.

<P>Franz Xaver Kugler hatte vor über 80 Jahren die Idee, die heute am Biermarkt den Aufschwung bringen soll. Als eine Radl-Sternfahrt im Sommer 1922 über 10 000 Gäste in sein Ausflugslokal bei München spülte, drohte das Bier auszugehen. Kugler mischte den Gerstensaft mit Limonade und verkaufte ihn als "Radler-Maß". Die süß-süffige Mixtur ist inzwischen in jedem Biergarten Standard. Und sie liegt voll im Trend. "Die heutige Generation der 18- bis 25-Jährigen ist insgesamt süßer", sagt Erich Dederichs, Sprecher des Deutschen Brauer-Bundes. Die Angehörigen der Cola-Generation mögen es süßer als ihre Eltern. Das wirkt sich in vielen Lebensmitteln aus - auch beim Bier.</P><P>Biermischungen mit 30 Prozent Wachstum</P><P>Bier mit Limonade, Cola oder Fruchtsaft: der Markt für Biermischungen wuchs im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent. Zwar liegt<BR>der Anteil am gesamten Bierausstoß in Deutschland bei etwa drei Prozent, doch die Bedeutung wächst. "Der Markt wird differenzierter. Und es sieht so aus, als seien Mischungen profitable Nischen-Getränke", erklärt Dederichs. In Diskos und Szenegastronomie kommt gut an, was mild ist. Herbes gilt als schwer vermittelbar. Dieses Phänomen drängte Beck's dazu, ein neues Gebräu auf den Markt zu bringen. Die milde Sorte mit dem Titel "Beck's Gold" soll aus der Flasche getrunken werden und verkauft sich "fantastisch", wie es bei dem Unternehmen heißt. Das hat auch mit der Verpackung zu tun. Deutsches Bier darf gemäß Reinheitsgebot keine Konservierungsstoffe enthalten und wird deshalb in grünem und braunem Glas abgefüllt, das vor Lichteinfall schützt. "Beck's Gold" wird wie ausländische Biere in durchsichtiger Flasche verkauft. Das Glas enthält einen UV-Schutz.</P><P>Bierflasche mit eingebautem UV-Schutz</P><P>Wie wichtig Äußerlichkeiten in der Szene sind, beweist auch Erdinger. Das Weißbier "Champ" ist leichter, hat weniger Kohlensäure und soll aus der Flasche getrunken werden. Außerdem ist ein Öffner im Flaschenboden eingelassen. Mit einer Flasche lässt sich eine zweite aufdrehen. Damit hat Champ wohl alles, was ein Szenebier braucht. Erdinger-Geschäftsführer Josef Westermeier schwärmt davon, dass der Absatz des neuen Produkts "die Erwartungen übertroffen" habe. Allerdings sieht er "Champ" nicht nur als Szene-Getränk. Er erhofft sich dauerhaft einen breiten Markt für das Flaschen-Weißbier. Dagegen will Westermeier keine Experimente mit Bier-Mischgetränken eingehen: "Davon distanzieren wir uns."</P><P>Bei der Münchner Augustiner-Brauerei vertritt man die reine Lehre: "Unsere Kompetenz ist, ein möglichst gutes Bier herzustellen. Da gehören alkoholfreie und Mischgetränke nicht dazu", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Gerhard Ohneis. Auch Trend-Getränke gibt es nicht. Schließlich fuhr Augustiner mit der Konzentration auf das Wesentliche schon immer gut - egal welche Trends es auch gegeben haben mag seit 1328.</P>

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