Kampf gegen falschen Parmesan: Deutschland droht hohes Bußgeld

- Brüssel - Viele wird die jüngste Mahnung aus Brüssel überraschen. Seit Jahren kaufen sie im Supermarkt Tütchen mit "Parmesan" und streuen den Käse über ihre Nudeln. Nur: Darin ist alles Mögliche, aber kein Parmesan. Jetzt hat die EU-Kommission die Bundesregierung ein letztes Mal aufgefordert, den echten italienischen Hartkäse vor Nachahmung zu schützen.

<P>Der Europäische Gerichtshof hatte bereits 2002 entschieden: Käse mit der Aufschrift Parmesan muss unbedingt auch den originalen "Parmigiano Reggiano" enthalten. "Falscher" Parmesan - meist in Pulverform -, der verschiedene Käsesorten enthält, ist ein Plagiat, das nicht unter diesem Namen vertrieben werden darf. Deutschland hält sich bis heute nicht daran und lässt die Vermarktung der eingetüteten Käsemischungen als Parmesan zu.</P><P>Bei der Auseinandersetzung geht es um mehr als nur geschützte Namensrechte und Ursprungsbezeichnungen, es geht um eine echte Delikatesse, die mit dem Käse-Mehl nichts gemein hat.</P><P>Der "Parmigiano Reggiano", eine der härtesten Käsesorten der Welt, ist nach der Stadt Parma in der Region Emilia Romagna benannt. Im 13. Jahrhundert wurde der Name erstmals urkundlich erwähnt, seit 1996 ist er laut EU-Verordnung als Ursprungsbezeichnung geschützt. Für ein Kilo der kulinarischen Spezialität sind 16 Liter Milch nötig, die von 270 000 Kühe produziert wird. Nach dem traditionellen Herstellungsverfahren dürfen sich die Tiere nur von Gras und einer bestimmten Klee-Sorte ernähren.</P><P>Der Käse wird nur von - in einer Genossenschaft - zusammengeschlossenen Kleinbetrieben unter strenger Kontrolle produziert. "Für uns Italiener ist der Parmigiano genauso wichtig wie für die Briten ihr Tee", erklärt ein Römer.</P><P>Dabei konkurriert der "Parmigiano Reggiano" nicht nur mit dubiosen Pulvermischungen, sondern auch mit einem ganz ähnlichen _ aber industriell hergestellten Käse, der als "Grana Padano" vertrieben wird. Allerdings ist beim ganzen Stück eine Verwechslung nicht möglich, weil der Name "Parmigiano Reggiano" in die Rinde eingestanzt ist.</P><P>Im ganzen Stiefel-Staat gilt der Hartkäse - ebenso wie Pasta oder Pizza - als unverzichtbares Grundnahrungsmittel. Für das Konsortium aus Parma war die Mahnung aus Brüssel längst überfällig: "Wir sind sehr zufrieden mit der Entscheidung der Kommission, weil der in einigen deutschen Betrieben immer noch gängige Gebrauch der Bezeichnung ,Parmesan ernsthaft das Ansehen und den Ruf unseres hochwertigen Käses schädigt und die Verbraucher hinsichtlich des Ursprungs und der Qualität des Produkts in die Irre führt", hieß es in einer ersten Stellungnahme. Im Falle einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg drohen Deutschland hohe Bußgelder.</P>

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