Kampf gegen Kündigungswelle: Mitarbeiter verzichten auf Gehalt

- München - Das Versprechen vom neuen Chef kam schriftlich. Er werde keinen Cent verdienen, so lange das Unternehmen keinen Gewinn mache, sagte Hans Rudolf Wöhrl den 800 Mitarbeitern der Deutschen BA in einem Brief zu. Jetzt ist die Antwort da: 760 der Beschäftigten nehmen eine Gehaltskürzung von 20 Prozent hin - Betriebsrat und Gewerkschaften sind weitgehend einverstanden. Der Ernst der Lage wurde wohl verstanden.

<P>Selbst die oft unnachgiebige Pilotenvereinigung Cockpit steht kurz vor einer Einigung mit der schwer angeschlagenen Fluglinie, ebenso die Gewerkschaft Verdi. Der Betriebsrat hat den Mitarbeitern in einer Email bereits den freiwilligen Verzicht empfohlen. "Ich traue Wöhrl zu, dass er das Boot herumreißt", sagte Betriebsratschef Udo Aschenbrenner jüngst unserer Zeitung: "Das ist auch der Tenor im Betrieb."</P><P>"Der Verzicht geht von<BR>oben bis unten. Sonst<BR>hätten wir ein gespaltenes<BR>Unternehmen."<BR>DBA-Sprecher Matthias Andreesen Viegas</P><P>Von 1. Juli 2003 bis 30. Juni 2004 ist der Verzicht begrenzt. Im Gegenzug sichert die Deutsche BA den Erhalt der Arbeitsplätze in der Luft und ein Mindestgehalt von 1500 Euro zu. Aufgefordet dazu wurde jeder - von der Stewardess bis zum Flugkapitän. "Das geht von oben bis unten. Sonst hätten wir ein gespaltenes Unternehmen", sagte ein Konzernsprecher unserer Zeitung. 36 Beschäftigte, die Hälfte davon Bodenpersonal, hätten bisher nicht zugestimmt: "Wir werden mit jedem einzelnen dieser Mitarbeiter nochmal sprechen."</P><P>Die Stellengarantie gilt nur für die Luft. 30 bis 50 Arbeitsplätze beim Bodenpersonal wird die traditionell defizitäre Linie trotzdem abbauen. Nach offizieller Lesart erwischt es dabei nicht vorrangig jene, die dem Verzicht nicht zustimmen. In der Übereinkunft mit den Mitarbeitern gibt es eine Klausel, gemäß der der Verzicht rückgängig gemacht wird, falls der Betroffene entlassen wird _ das Arbeitslosengeld soll dadurch also nicht gemindert werden.</P><P>Die Deutsche BA will trotz der Finanzprobleme vorerst alle ihre 16 Flugzeuge in Betrieb halten. Bisher, so sagt Chef und Hobbypilot Wöhrl, ist die Auslastung zu niedrig. Sie soll gesteigert werden. Eine Klausel in den Vereinbarungen mit den Gewerkschaften erlaubt allerdings auch Einschnitte beim Flugpersonal, wenn Maschinen doch am Boden bleiben.</P><P>Der Lohnverzicht und die Starthilfe von British Airways, die 35 Millionen Euro zuschießt und ein Jahr lang die Leasingraten für die Flugzeuge zahlt, sind Grundvoraussetzungen für ein Verlassen der Verlustzone. Laut "Welt am Sonntag" hat Neu-Eigentümer Hans Rudolf Wöhrl die Überlebenschancen der Deutschen BA gegenüber Vertrauten auf "50 zu 50" eingeschätzt.<BR><BR></P>

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