Kampf gegen Schreckgespenst Rezession

New York - Mit einer völlig überraschenden Zinssenkung gelang der US-Notenbank eine Art Schocktherapie gegen die Panik an den Aktienmärkten. Blitzartig drehten die Aktienmärkte ins Plus.

Mit einen Schlag hatte Ben Bernanke sich als würdiger Nachfolger von Alan Greenspan erwiesen: Während der Vorgänger im Amt des US-Notenbankchefs meist undeutlich über die Lage nuschelte und eher Verwirrung stiftete als Orientierung bot - und doch im Ernstfall blitzschnell handelte -, schlug sein Nachfolger gleich einen Haken. Tagelang hatte er sein Umfeld von weiter bestehenden Inflationsgefahren unken lassen. "Keine Hilfe von dieser Seite" war das Signal an die Anleger. Außerdem solle man die Finanzmarkt-Hasardeure, die das Desaster angezettelt haben, nicht auch belohnen und zum Weitermachen ermuntern.

Just als die kollektive Panik - nach einem Absturz des japanischen Nikkei Index um 5,4 Prozent - neuen Höhepunkten entgegensteuerte, strafte Bernanke sein Geschwätz von gestern Lügen: Der Offenmarktausschuss der Notenbank Fed erhöhte völlig unerwartet den Diskontsatz um einen halben Prozent- punkt - und brachte damit schlagartig die anwachsende Herde der Börsen-Lemminge zur Umkehr. Anstatt weiter auf den Abgrund zuzurennen und mit Aktienverkäufen um jeden Preis die Krise weiter zu verschärfen, konnten sich die Makler plötzlich von Kaufaufträgen nicht mehr retten.

Die Notenbank wird alles tun, um eine Ausweitung der Krise bis hin zur Rezession zu vermeiden, war das überraschende, damit aber umso klarere Signal, das die Anleger auch so aufnahmen. Das Schreckgespenst war gebannt. Weltweit drehten die Börsen deutlich ins Plus (siehe Grafik oben), auch die US-Märkte starteten im grünen Bereich. Der Euro kletterte nach der Zinsentscheidung auf 1,3510 Dollar.

Derweil übten sich die Verantwortlichen der deutschen und europäischen Politik weiter in Ankündigungen und Be- schwichtigungen: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück verwies auf die permanenten Absprachen zwischen den Regierungen und den Zentralbanken weltweit. "Wir sind national und international in engem Kontakt, diese Kontakte waren bisher sehr fruchtbar", sagte Steinbrück. Vize- Regierungssprecher Thomas Steg sagte: "Ungeachtet der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten sind die realwirtschaftlichen Aussichten unverändert positiv". Die Bundesregierung sehe "im Moment" keinen Bedarf zusätzlicher Maßnahmen.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Beratung der G7-Staaten über die Folgen der Krise an den Finanzmärkten gefordert. Er schlug vor, dass die G7-Finanzminister bei ihrer Tagung im Oktober in Washington das Thema auf die Tagesordnung setzen. Bundesbankpräsident Axel Weber verwies auf den Auftrag der Bundesbank: "Die Notenbanken tun alles, was notwendig ist, um die Preisstabilität zu wahren. Wir werden unser Mandat erfüllen."

Die EU-Kommission schießt sich auf die Rating- Agenturen ein: In Brüssel gebe es den Eindruck, diese internationalen Agenturen zur Bewertung der Kreditwürdigkeit von Schuldnern hätten Investoren zu spät gewarnt, hieß es aus Kreisen der Kommission.

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