Kampf um jeden Euro: So läuft der Einspruch gegen den Steuerbescheid

- Der Umschlag vom Finanzamt wird meist erwartungsvoll aufgerissen _ und dann ist der Blick hinein oft enttäuschend: Selten stellt ein Steuerbescheid den Steuerzahler wirklich zufrieden. Eine möglichst hohe Rück- oder zumindest keine Nachzahlung wünscht sich schließlich jeder. Wer sich vom Finanzamt ungerecht behandelt fühlt, kann Einspruch gegen den Bescheid einlegen. Allerdings kann der Schuss auch nach hinten losgehen: Höhere Forderungen sind dann die Folge.

Bescheid prüfen

Auf die erste Enttäuschung sollte ein genauer Blick in den Brief folgen: "Ich prüfe erst mal, ob der Bescheid dem entspricht, was ich eingereicht habe", sagt Martin Frömel, Steuerexperte vom Bund der Steuerzahler Hessen in Wiesbaden. Der einfachste Grund für eine Abweichung von dem erwarteten Bescheid ist ein Übertragungsfehler, wenn die Steuererklärung klassisch auf Papier eingereicht wurde. "Mit der elektronischen Erklärung Elster passieren diese Fehler natürlich nicht mehr", sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine in Berlin.

Vergessenes nachreichen

Vielleicht fällt dem Steuerzahler aber auch auf, dass er vergessen hat, zum Beispiel ein Weiterbildungsseminar geltend zu machen. Auch wenn also der Fehler bei ihm liegt, kann er Einspruch gegen den Bescheid einlegen. "Erfolgt er nicht, wird der Bescheid nach einem Monat wirksam", erklärt Norman Peters, Leiter der Steuerabteilung beim Deutschen Steuerberaterverband (DStV) in Berlin. Kleine Fehler können dem Finanzamt auch telefonisch durchgegeben werden. Ein neuer Bescheid, in dem die Änderungen berücksichtigt sind, muss aber dann innerhalb eines Monats beim Steuerzahler eintreffen.

Hilfe am Computer

Doch nicht immer sind Fehler oder entgangene Vorteile für Laien einfach zu erkennen. "Einen Anhaltspunkt können elektronische Steuerprogramme liefern, mit denen die Erklärung gemacht wird", sagt Experte Nöll. Die Programme liefern in der Regel auch Kalkulationen, die dann mit dem tatsächlichen Bescheid verglichen werden können.

Das Risiko

Ganz ohne Risiko ist ein Einspruch allerdings nicht: "Der Bescheid kann auch ,verbösert’ werden", warnt Steuerberater und Rechtsanwalt Peters. Selbst wenn der Grund für den Einspruch anerkannt und jetzt mitberechnet wird, können andere Teile des Bescheids ebenfalls neu und vielleicht nachteilig für den Steuerzahler bewertet werden. "Allerdings weist die Behörde darauf vorher hin und schickt nicht einfach einen neuen Bescheid." Der Betroffene könne dann seinen Einspruch zurückziehen, so dass der alte Bescheid gilt.

Laufende Verfahren

Ein weiterer Grund für einen Einspruch gegen den Steuerbescheid können auch aktuelle Gerichtsverfahren sein. Zurzeit ist vor allem die Absetzbarkeit von Rentenversicherungsbeiträgen umstritten. Weil mit dem seit Anfang des Jahres geltenden Alterseinkünftegesetz Renten schrittweise höher besteuert werden, halten viele Steuerexperten die heutigen Beiträge für vorgezogene Werbungskosten. Diese können voll von der Steuer abgesetzt werden. Mit dem Hinweis auf Musterprozesse können Steuerzahler Einspruch einlegen. "Sie stimmen dann einem Ruhen des Verfahrens zu", erklärt Nöll. Werden die Prozesse in ihrem Sinne entschieden, können sie dann nach dem Urteil ihre Rentenbeiträge geltend machen. Bis zu einer Entscheidung können Nöll zufolge aber noch Jahre vergehen.

Einspruch dauert

Auch ein einfacheres Einspruchsverfahren kann sehr unterschiedlich lang dauern. Je kleiner der Fehler, umso schneller die Bearbeitung, sagen die Experten. "Das können wenige Wochen sein", sagt Norman Peters. Je nach Amt und Arbeitsaufkommen können Steuerzahler aber auch durchaus länger auf einen neuen Bescheid warten.

Letzter Weg: Klage

Dafür bleibt das Prozedere bis hierhin für den Steuerzahler kostenlos _ nur etwas Zeit und Mühe sind nötig. Wird sein Einspruch abgelehnt, bleibt ihm noch die Klage. Und die kostet seit dem Juli 2004: "Mindestens 110 Euro fallen an, leicht kann es mehr werden", sagt Nöll. Außerdem sei hier die Unterstützung von Profis nötig _ von Lohnsteuerhilfevereinen, Steuerberatern oder Anwälten etwa. Weil viele Einsprüche zumindest mit einem Teilerfolg enden, ermuntern die Experten zu einem kritischen Blick in die Post vom Finanzamt: "Eine Menge Bescheide sind falsch, die Kontrolle lohnt sich immer", sagt Norman Peters.

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