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Objekt der Begierde: Um Kabel Deutschland entwickelt sich eine Übernahmeschlacht. Interessant ist der Netzbetreiber nicht nur wegen seiner 8,5 Millionen Kunden, sondern auch aufgrund der technischen Möglichkeiten. Triple-Play lautet das Stichwort: Paketangebote aus Fernsehen, Internet und Telefonie.

Übernahmeschlacht

Milliardenpoker um Kabel Deutschland

München - Kampf um Kabel Deutschland: KDG rückt in den Fokus einer Übernahmeschlacht. Um die Münchner werben Vodafone und Liberty Global, der Konzern des US-Milliardärs John Malone.

Um Deutschlands größten Kabelnetzbetreiber bahnt sich ein milliardenschwerer Bieterwettbewerb an. Nachdem vorige Woche der britische Mobilfunkbetreiber Vodafone das Interesse an einer Übernahme von Kabel Deutschland (KDG) kundgetan hatte, werfen nun der US-Kabelnetzriese Liberty Global und dessen Eigner John Malone den Hut in den Ring. Es gebe einen „vorläufigen Vorschlag“ zur Übernahme auch von Liberty, gab KDG bekannt, ohne weitere Details zu nennen.

Die britische Zeitung „Financial Times“ will erfahren haben, dass die Amerikaner 85 Euro je KDG-Aktie bieten – also insgesamt 7,5 Milliarden Euro. Der Kurs der im M-Dax gelisteten Aktien von Kabel Deutschland stieg nach Bekanntwerden des Angebots auf just jene 85 Euro.

Eine unverbindliche Vodafone-Offerte soll bei rund 7,2 Milliarden Euro liegen. Rechnet man die 2,8 Milliarden Euro Schulden von KDG hinzu, läge das Geschäft in einer Dimension von rund zehn Milliarden Euro. Hinter den Kulissen wird gemunkelt , dass Vodafone nun eine Aufstockung des eigenen Angebots erwägt. Offiziell schweigen alle Beteiligten. Wer KDG am Ende bekommt, könnte aber nicht nur eine Frage des Preises sein. Denn in jeder Konstellation reden Kartellhüter Entscheidendes mit. Eine Übernahme von KDG angemeldet hat bislang weder Liberty Global noch Vodafone, sagte ein Sprecher des Bundeskartellamts auf Anfrage. Zuständig wären wegen der Größe der beteiligten Unternehmen erst einmal die Brüsseler Kartellamtskollegen. Danach würde das Verfahren nach Deutschland überwiesen.

Kartellexperten sehen Malone in einer schwierigeren Lage. Denn er kontrolliert bereits Unitymedia und KabelBW, die Nummer zwei und drei am deutschen Kabelnetzmarkt. Käme dazu KDG unter ein gemeinsames Dach, entstünde ein Riese mit monopolähnlicher Macht und die Vergangenheit würde wieder lebendig. Denn vor gut einem Jahrzehnt sind die geteilten Netze von KDG, Unitymedia und KabelBW auf Drängen des Kartellamts aus der Zerschlagung des einstigen Gesamtnetzes der Deutschen Telekom entstanden, um Wettbewerb zu schaffen. Zuletzt hat das Kartellamt aber erlaubt, Unitymedia und KabelBW wieder unter ein Dach zu bringen. „Es hat sich etwas bewegt“, meint ein Insider. Bessere kartellrechtliche Chancen habe auf den ersten Blick Vodafone, weil hier ein Kabelnetzbetreiber und ein Mobilfunker zusammenkämen.

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Genau geprüft werden müsse aber auch das, weil sich die betroffenen Branchen in den letzten Jahren stark angenähert haben. Waren Kabelnetzbetreiber und Mobilfunkkonzerne lange in getrennten Sphären tätig, sind sie heute direkte Konkurrenten. KDG & Co bieten nicht nur TV per Kabel an, sondern auch Internet und Telefonie, Tripleplay genannt. Auf der anderen Seite drängen die Deutsche Telekom & Co immer mehr ins TV-Kabelgeschäft und bieten ebenfalls einen Dreiklang. Kämen Vodafone und KDG zusammen, entstünde ein neuer Riese, der mit der Deutschen Telekom auf allen Feldern zumindest auf Augenhöhe wäre. Von der Übertragungsrate her ist das KDG-Kabelnetz dem der Telekom sogar weit überlegen. Und es lässt sich mit überschaubarem Aufwand auch für Mobilfunk nutzen. Das ist in Zeiten andernorts vielfach an Kapazitätsgrenzen stoßender Netze ein entscheidendes Faustpfand, das KDG sehr begehrt macht.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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