Kampf um Lehrstellen wird 2004 noch härter

- München - 2003 ist hart. 2004 wird härter. Experten rechnen mit einer drastischen Zuspitzung der Lage auf dem Lehrstellenmarkt. Von mehreren Konzernen gibt es Signale, die Zahl der Ausbildungsplätze zu senken. Bei der Telekom, einem der fleißigsten Ausbilder der Republik, könnten gleich mehrere tausend Stellen wegfallen.

<P>Mit viel Bitten und Betteln von Politik und Gewerkschaften wurde die Lehrstellenlücke heuer verkleinert. Erstmals war sogar im Freistaat die Not groß. Bayernweit gibt es nach den aktuellen Zahlen noch 500 Bewerber mehr als freie Stellen.<BR><BR>Entwarnung? Es wird noch schlimmer, fürchtet statt dessen die Gewerkschaft Verdi. "Wir gehen von einer kontinuierlichen Abwärtsbewegung aus", sagt Sprecher Hans Sterr über das Lehrstellen-Angebot: "2004 wird noch härter." Auch das Landesarbeitsamt verbreitet wenig Vorfreude. Viele Jugendliche, die heuer nur in Zwischenlösungen wie berufsvorbereitenden Fördermaßnahmen landeten, drängen 2004 erneut auf den Markt und erhöhen die Nachfrage. Erst 2006 winken geburtenschwächere Jahrgänge.<BR><BR>Gleichzeitig sinken die Stellen. Eine Umfrage der "Berliner Zeitung" unter den 20 größten Unternehmen ergab, dass die meisten Konzerne ihr Angebot allenfalls auf Vorjahresniveau halten wollen. Allianz, Commerzbank und Post bauen gar ab. Auch die Telekom. Dort könnten mehrere tausend der bundesweit 4000 Plätze wegfallen, bestätigte ein Sprecher unserer Zeitung. "Zwischen 1000 und 4000" Stellen wolle man im Jahr 2004 anbieten. Verdi spricht von noch radikalerem Abbau: In Gesprächen vor wenigen Wochen habe die Telekom angekündigt, bundesweit nur noch genau zwei Lehrstellen zu schaffen. Das sei beschämend. Die Telekom ("kompletter Unfug") widerspricht. Man könne zwar "nur die allerallerbesten" übernehmen, wolle aber weiterhin über Bedarf ausbilden.<BR><BR>Verdi hat dennoch für heute in Landsberg zu einer Protestaktion aufgerufen, zu der 100 Lehrlinge erwartet werden. In Oberbayern werden jedes Jahr knapp 300 Telekom-Lehrlinge eingestellt. Fest stehe, dass die Telekom ihre Ausbildungsquote drastisch reduzieren wolle, sagt Sterr: "Das war eine Rakete, die da gezündet wurde."<BR><BR>Möglicherweise eine mit Signalwirkung. Die Gewerkschaften beharren auf der Forderung nach einer Abgabe für Ausbildungs-unwillige Unternehmen. Die SPD-Fraktion hatte der Wirtschaft vor kurzem bis November Zeit gegeben, um ihren Zusagen nachzukommen. An der Telekom hält der Bund direkt und mittelbar mehr als ein Drittel der Anteile.<BR><BR>Jährlich stecken die deutschen Unternehmen immerhin 28 Milliarden Euro in die Ausbildung ihres Nachwuchses. Jeder Azubi kostet nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung damit gut 16 500 Euro pro Lehrjahr. Allerdings holen die Lehrlinge einen großen Teil ihrer Kosten wieder rein - vor allem, wenn sie nach der Ausbildung im Betrieb bleiben.<BR><BR>Das Institut saldiert Kosten und Ertrag. Demnach sind Mechatroniker mit 17 203 Euro Netto-Kosten pro Jahr die teuersten Lehrlinge, gefolgt von Chemielaboranten und Industriemechanikern. Bürokaufleute und Zahnarzthelfer bringen den Betrieben hingegen ein Plus.<BR></P> 

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