Kampf um die Taxifahrer: VW und Mazda greifen Mercedes an

- München - Der Stern war jahrzehntelang das Aushängeschild der Taxibranche. Und die Branche war einer der größten Werbeträger für Autos aus Sindelfingen. Doch jetzt hat Mercedes Konkurrenz bekommen. VW und Mazda drängen in das Geschäft. Einen entsprechenden Bericht der "Automobilwoche" bestätigte Hans Meißner, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes, gegenüber unserer Zeitung.

<P>VW hat Opel und Ford verdrängt und nimmt, so Meißner, nun einen zweiten Platz ein. 20 % Marktanteil haben die Wolfsburger inzwischen. Auch Mazda bemüht sich verstärkt um die Gunst dieser wichtigen Kundengruppe - und hat die 5 %-Hürde genommen. Allerdings hält Meißner den Spitzenplatz von Daimler-Chrysler nicht für gefährdet. Neben der verschärften Konkurrenz sieht der Taxi-Präsident eine zweite Tendenz: Viele Taxiunternehmen kaufen gezielt Gebrauchtwagen der älteren Mercedes-Baureihe W124 auf. </P><P>Nicht nur, weil das billiger ist, sondern weil diese den Ruf großer Zuverlässigkeit hat. Die aktuellen Nachfolger haben durch die Umstellung auf Computersteuerung der meisten Funktionen und entsprechende "Kinderkrankheiten" Taxifahrern das Kraut ausgeschüttet. Vor allem die Gebrauchtwagenkäufe führen dazu, dass Mercedes-Taxis im Straßenbild weit stärker vertreten sind, als 60 % Marktanteil bei den neu gekauften Taxis es vermuten lassen.</P><P>Mit Zuverlässigkeit konnten die Japaner punkten, die so Meißner, lieber etwas Altes einbauen, als Ausfälle zu riskieren. Der Rabatt von 15 % allein kann es kaum sein, dem Mazda die Zuwächse verdankt. Denn Mercedes lässt bereits 12 % nach und bietet lukrative Finanzierungskonditionen. VW gewährt gar 20 % Taxi-Nachlass.</P><P>Es kommt den Taxi-Käufern nicht nur auf den Einkaufspreis an. "Teuer wird das Auto, wenn es steht", sagt Meißner. Zuverlässigkeit hat deshalb Vorrang. 300 000 bis 400 000 Kilometer sollte ein Auto ohne größere Probleme schaffen. Und wenn es einmal nicht läuft, dürfen Reparaturen nicht lange dauern. Auch die Reparaturkosten spielen eine Rolle. Wenn bei einem harmlosen Auffahrunfall ein Kotflügel beschädigt ist, ist das teuer genug. Muss man auch die Motorhaube ersetzen, verdreifacht das die Reparaturrechnung. Weil bereits in der Konstruktion Unfallkosten vermieden werden, sieht Meißner die Vormachtstellung von Mercedes ungefährdet. Umgekehrt rangiert BMW auch aus diesem Grund in der Gunst der Taxiunternehmer unter "ferner liefen".</P><P>Dabei kommt es aber auch auf die Autohändler an. Wenn ein Händler sich den Forderungen des Gewerbes stellt, kann es in einer Stadt einmal besonders viele Taxis einer Marke geben, die sonst in der Branche kaum vertreten ist. Auf der anderen Seite gibt es laut Meißner Händler, die regional stark sind, aber sich nicht fürs Taxi interessieren.</P><P>In solchen Regionen hat Mercedes einen Vorteil. Die Taxis sind den Sindelfingern Herzensangelegenheit. In allen Niederlassungen gibt es, so die "Automobilwoche", Taxi-Vorführwagen. Und 200 Verkäufer in ganz Deutschland sind auf die Kunden-Zielgruppe Taxiunternehmer spezialisiert. Doch dieses Feld ist nicht mehr exklusives Mercedes-Revier. Die Konkurrenz aus Wolfsburg hat mittlerweile 40 Taxi-Schwerpunkthändler eingesetzt.<BR></P>

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