Kampf um Zucker: Seehofer will Ausgleichsgeld für Rübenbauern

- Regensburg - Jedes Jahr von Ende September bis Mitte Dezember ist in Regensburg "Zucker-Zeit". Aus dem Schlot der ältesten Zuckerfabrik Bayerns qualmt dicker weißer Rauch. Über der mittelalterlichen Stadt breitet sich ein süßlicher Geruch aus. In diesen Wochen werden täglich rund 12 500 Tonnen Rüben zu 2000 Tonnen Zucker verarbeitet. Das Werk ist rund um die Uhr in Betrieb.

Auf den Straßen wälzen sich Kolonnen von Zuckerrüben-Lastern in Richtung Regensburg. Rund 2400 Landwirte aus der Oberpfalz, Niederbayern und Oberbayern bringen ihre Ernte in die Domstadt. Doch dieses Bild droht sich durch die geplante Zuckermarktreform der EU bald zu ändern: Viele bayerische Bauern fürchten um ihre Existenz. Ihre Hoffnungen setzen die rund 14 600 Zuckerrübenbauern aus dem Freistaat jetzt auf den neuen deutschen Agrarminister Horst Seehofer (CSU) aus der Heimat.

"Wir wissen, dass an einer Zuckermarktreform kein Weg vorbeiführt", sagt Franz Vielhuber vom Bayerischen Bauernverband. Allerdings sei eine Senkung des Zuckerpreises um fast 40 Prozent nicht zumutbar, das Limit liege bei 25 Prozent. "Wir erwarten, dass Herr Seehofer sich mit seiner ganzen politischen Kraft für eine bessere Lösung einsetzt."

Seehofer droht beim Brüsseler Debüt im neuen Amt gleich ein Verhandlungsmarathon. Die Zuckermarktordnung gilt als sensible Materie, die von der amtierenden britischen Ratspräsidentschaft großes Verhandlungsgeschick verlangt.

Klar ist, an der Reform führt kein Weg vorbei, zumal die Europäische Union in der Welthandelsorganisation unter massivem Druck steht, ihre unfairen Handelspraktiken auf dem Zuckermarkt zu beenden. In Brüssel geht es nur noch um die Frage, wie schnell und wie hart die Veränderungen kommen. Seehofer hielt sich zunächst mit Details über die deutsche Verhandlungslinie zurück. Er betonte, Deutschland sei für Zuckerrüben zwar ein günstiger Anbauort. "Aber Preissenkungen mit Teilausgleich heißen auch für deutsche Bauern massive Veränderungen und Belastungen." Diese müssten derart gestaltet werden, "dass dieser Reformprozess von den Bauern und den Zuckerfabriken auch verkraftet werden können". Erforderlich sei, "die Reform so zu machen, dass sie auch akzeptabel ist für die bäuerlichen Familien und die Zuckerwirtschaft".

Auch Zuckerrübenbauer Josef Schweiger aus dem niederbayerischen Straßkirchen setzt auf den Minister. "Ich kenne Herrn Seehofer ein bisschen und hoffe, dass er uns hilft", sagte Schweiger. Er baut 25 Hektar Zuckerrüben an. "Meine Hoffnung besteht darin, dass wir mit einer Preissenkung von 20 Prozent davonkommen", sagte der Landwirt. Eine Senkung um fast 40 Prozent würde ihn hart treffen, er müsste mit starken Einbußen rechnen. "Stellen Sie sich vor, Ihr Bruttolohn würde um 25 000 Euro im Jahr gekürzt." Mit der billigeren Konkurrenz beispielsweise aus Südamerika könnten die bayerischen Zuckerrübenbauern einfach nicht mithalten. "Ich kann zu vergleichbaren Löhnen niemanden einstellen und ich kann zu diesen Preisen nicht produzieren."

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