KanAm schließt noch einen Immobilienfonds

- Frankfurt - Die Schließung eines weiteren großen offenen Immobilienfonds hat am Donnerstag bei Anlegern erneut für Unruhe gesorgt. Die Fondsgesellschaft KanAm setzte innerhalb von zwei Tagen bei einem zweiten Immobilienfonds die Rücknahme von Anteilen vorübergehend aus. Diesmal sei der weitaus größere "Grundinvest Fonds" betroffen, teilte das Unternehmen in Frankfurt mit. Anlass waren Verkauforders in Höhe von 700 Millionen Euro innerhalb von 24 Stunden, die den Fonds in Liquiditätsschwierigkeiten brachten. Damit rückt die nach der Fondsschließung durch die Deutsche Bank befürchtete Branchenkrise immer näher.

Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD sowie das Bundesfinanzministerium denken darüber nach, ob ungeachtet einer ohnehin geplanten Änderung des Investmentgesetzes aktueller Handlungsbedarf des Gesetzgebers besteht. Der stellvertretenden SPDFraktionsvorsitzende und Finanzexperte Joachim Poß meinte jedoch, grundsätzlich solle man die Schließung solcher Fonds "nicht überbewerten". Der jetzt betroffene Fonds gilt als solide und hatte noch am Dienstag von der Rating-Agentur Feri sehr gute Noten erhalten. Im Dezember hatte die Deutsche Bank erstmals in der Geschichte der Anlageform einen offenen Immobilienfonds bis zur Neubewertung der Objekte geschlossen. Eine panikartige Massenflucht der Anleger aus anderen Fonds war daraufhin zunächst ausgeblieben. Nach der unerwarteten Schließung der KanAm-Fonds, die nach Angaben des Unternehmens auf eine umstrittene Verkaufsempfehlung einer weiteren Rating-Agentur zurückzuführen sind, ist nun wieder offen, ob noch weitere Fonds in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Reaktion der Anleger des "Grundinvest Fonds" ist nach Einschätzung von KanAm rein psychologisch bedingt. "Hierfür gibt es keinerlei wirtschaftliche Gründe", sagte KanAm-Sprecher Michael Birnbaum. Umso wichtiger sei jetzt eine Versachlichung der Diskussion. Daher erwäge KanAm auch keine rechtlichen Schritte gegen die Ratingagentur Scope, die mit ihrer Beurteilung die Verkaufswelle offenbar mit ausgelöst habe.

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