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Sein Rüstzeug hatte der am 20. April 1968 in Solingen geborene Weidmann nach dem Abitur beim Studium der Volkswirtschaftslehre in Aix-en-Provence, Paris und Bonn erworben. Er hospitierte bei der Banque de France, im Wirtschaftsministerium und bei der Zentralbank von Ruanda. Zwischen 1997 bis 1999 war Weidmann für den Internationalen Währungsfonds in Washington tätig, danach arbeitete er von 1999 bis 2003 als Generalsekretär des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Im Jahr 2003 wechselte Weidmann ins Management der Bundesbank, Anfang 2006 holte ihn Angela Merkel ins Kanzleramt.

Kandidat der Kanzlerin tritt Chef-Posten an

Frankfurt/Main - Der Abgang des alten ist gleichzeitig die Einführung des neuen Chefs. Am 2. Mai verabschiedet sich Axel Weber in Frankfurt offiziell von der Bundesbank, und dann wird Jens Weidmann als neuer Präsident eingeführt.

Weidmann kommt als Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel und diese Vertrautheit ist Segen und Fluch zugleich: Weidmann kennt das Spiel der politisch Mächtigen viel besser, als Weber es jemals tat. Andererseits wird er beweisen müssen, dass er trotzdem unabhängig arbeiten kann.

Die Unabhängigkeit der Bundesbank ist, darin sind sich die Experten einig, wichtiger denn je in Zeiten wie diesen, wo der Euro permanent unter Druck steht, wo immer noch kein Rezept gefunden wurde, der Gemeinschaftswährung dauerhaft Stabilität zu verleihen. Der parteilose Weidmann wird wissen, dass er deshalb als ehemaliger Berater der Kanzlerin unter besonderer Beobachtung steht. Zumal er mit 43 Jahren der jüngste Notenbankchef aller Zeiten ist. Da muss man im Finanzgeschäft oft mit dem Vorwurf leben, es mangele an Erfahrung. Ex-Bundesbankpräsident Ernst Welteke lästerte bereits, eine Schwäche des neuen Chefs sei, „dass Weidmann noch nie einen so großen Apparat mit so vielen Mitarbeitern geführt hat“. Allerdings stehe Weidmann als Bundesbankchef nicht alleine da, sondern die Institution funktioniere auch „aus sich heraus“.

Welteke ist auf dem Holzweg. Durch sein unprätentiöses Auftreten und sein breit gefächertes Wissen hat sich Weidmann in Politik, Wirtschaft und Finanzwelt einen ausgezeichneten Ruf erworben. Zielstrebigkeit, Entschlossenheit, Stressresistenz und Bodenständigkeit, das schätzte auch Kanzlerin Merkel an ihrem Berater - er wird sich die Leitung der Bundesbank kaum aus den Händen nehmen lassen und beides schaffen: Die rund 10 000 Mitarbeiter zu führen und eigene Akzente zu setzen.

Was Weidmann kann, bewies er beim Ausbruch der Finanzkrise. An der Seite seines ehemaligen Studienkollegen, Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, war er maßgeblich an den Verhandlungen über den Rettungsplan für den angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate beteiligt und arbeitete am Konjunkturprogramm der Bundesregierung mit. Weidmanns sachliche Analysen und sein unermüdlicher Einsatz sorgten damals mit dafür, dass die erwartete Panik ausblieb und die Bürger weiter Vertrauen zur Geldpolitik der Bundesregierung hatten.

Bei seiner Berufung ins Kanzleramt hatte Weidmann eine Empfehlung von Weber im Gepäck. Der lobte kürzlich, auch mit Blick auf die künftige Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger, die Zukunft der Bank sei „mit dem jetzigen Vorstand und mit diesen beiden Verstärkungen in guten Händen. Das ist eine Situation, die man sich wünscht, wenn man ein Institut verlässt.“

von Stefan Lange

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