Kanzlerin sagt Nein zum Pilger-Transrapid

Magnetschwebebahn im Iran und in China: - Eine Trasse im Iran könnte das erste Projekt sein, bei dem deutsche Magnetschwebetechnik auf der Langstrecke eingesetzt werden soll. Doch aus dem Kanzleramt kam ein entschiedenes Nein zum Pilger-Transrapid.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich gegen deutsche Unterstützung beim Bau einer 850 Kilometer langen Transrapid-Strecke im Iran ausgesprochen. "Ich halte deutsche Hilfe beim Bau des Transrapids in einem Land, dessen Präsident unentwegt verkündet, dass er Israel vernichten will, für völlig inakzeptabel", sagte sie dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der Iran an einer Transrapid-Strecke zwischen Teheran und Mashad interessiert ist und eine Machbarkeitsstudie bei derMünchner Ingenieurfirma in Auftrag gegeben hat.

Teheran hat auf die Ablehnung der Kanzlerin hin die Bundesregierung aufgerufen, das im Iran geplante Transrapid-Projekt nicht zu politisieren. Es wäre nicht "erfreulich", wenn wirtschaftliche Projekte von der Politik überschattet würden, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Mohammad-Ali Hosseini, in einer Pressekonferenz in Teheran.

Außerdem, so der Sprecher weiter, sei das Projekt lediglich in der Machbarkeitsphase. Neben Deutschland hätte der Iran "viele andere Partner" als Alternative. Das Projekt war vom früheren bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu eingefädelt worden. Die Magnetbahn gilt als deutsches Hightech-Produkt, das aber nur schwer zu vermarkten ist: Es gibt bislang weltweit nur eine kurze Strecke in Schanghai, auf der der Transrapid im Alltagsbetrieb verkehrt. Die geplante Strecke im Iran könnte viele der Millionen Pilger befördern, die von der iranischen Hauptstadt Teheran in das religiöse Zentrum im Osten des Landes fahren. Bislang müssen die Pilger eine beschwerliche zweitägige Busreise auf sich nehmen, um von Teheran nach Mashad zu kommen. Die Stadt gehört zu den sieben heiligen Stätten der schiitischen Moslems.

Mit der eingeleiteten Machbarkeitsstudie wäre das Projekt im Iran die bislang am weitesten fortgeschrittene Planung für den Transrapid auf der für die Magnetschwebetechnik besonders geeigneten Langstrecke. Vergleichbare Größenordnungen könnte Transrapidverbindungen zwischen London und Glasgow sowie in der Golfregion erreichen. Hier stehen die Machbarkeitsstudien aber noch bevor.

Dagegen sind in China nur kleinere Schritte in Richtung Langstrecke geplant. Eine Verlängerung der bestehenden 30-Kilometer-Trasse zwischen dem Flughafen und dem Messegelände von Schanghai durch die Millionenstadt zur 170 Kilometer entfernten Stadt Hangzhou steht auf der Kippe. Bereits seit 2006 ist eine 1250-Kilometer-Strecke nach Peking abgelehnt worden. Hier setzt China auf konventionelle Bahn-Technik.

Klon aus dem Reich der Mitte?

Schanghai - Dass China selbst an der Magnetschwebetechnik forscht, ist kein Geheimnis. Allerdings handelt es sich dabei um Versuche, wie sie beim Transrapid in München bereits vor Jahrzehnten stattfanden. Deshalb lässt ein Foto aufhorchen, das derzeit in Technik-Foren im Internet kursiert. Es zeigt einen Kopfteil eines Magnetschwebezuges, der den von Thyssen-Krupp und Siemens entwickelten Fahrzeugen zwar verblüffend ähnelt, andererseits bei den Fahrzeug-Proportionen und durch die nicht abgedeckte Technik deutliche Abweichungen aufweist. Ist also China bei eigenen Forschungen weiter, als bisher geplant oder hat man sich ungeniert bei der aus Deutschland nach China exportierten deutschen Transrapid-Technik bedient? Bislang ist nicht klar, ob der China-Transrapid tatsächlich über die dort gebaute Trasse schwebt, oder sich dabei auf Räder stützt. Aus eigener Kraft jedenfalls kann er sich nicht fortbewegen. Für den Transport von A nach B sorgt eine dieselgetriebene Zugmaschine.

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