Wie Kapitalanleger durch die Krise kommen

München – Die Börsenkurse gehen derzeit vor allem in eine Richtung: nach unten. Sparer und Kleinanleger fürchten um ihr Geld. Hier ein Überblick darüber, was man bei den einzelnen Anlageklassen bedenken sollte.

Lebensversicherung

Rund 90 Millionen Verträge für Lebensversicherungen gibt es in Deutschland. Damit sind die Policen wohl die beliebtesten Produkte zur Alterssicherung. Auch wenn der Absturz an den Börsen die Versicherungen – weniger als fünf Prozent der Kapitalanlage entfallen auf Aktien – kaum trifft, bleiben die Konzerne von der Finanzkrise nicht verschont. Sorgen bereitet den Assekuranzen vor allem die weltweite Schuldenkrise. So haben die Versicherer einen großen Teil der Kundengelder in Staatsanleihen angelegt. Allein auf Griechenland-Papiere haben Allianz und Munich Re (ehemals Münchener Rück) zuletzt dreistellige Millionen-Beträge abgeschrieben. Das drückt die Überschussbeteiligung. Sollten mit Spanien und Italien weitere Staaten in Schieflage geraten, könnte dies die Versicherungen in Bedrängnis bringen.

„Sichere Renditen sind heute eher niedrig, und das wird auch so bleiben“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. Für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bekommen Anleger noch 2,6 Prozent, der Zinssatz für deutsche Bundesanleihen sank auf 2,4 Prozent. „Vier Prozent Garantiezins, die Versicherer einem Kunden mit Vertrag von 1998 noch zusichern, können sie damit nicht zahlen“, sagt Tenhagen.

Gerade Kunden mit älteren Verträgen sollten daher keinesfalls überstürzt ihre Police kündigen. Die Kapital-Lebensversicherung „bringt den meisten Profit immer am Schluss, in den letzten Jahren“, so Tenhagen. In den ersten fünf Jahres kassiere dagegen der Vertrieb seinen Anteil. Neuabschlüsse sehen Verbraucherschützer angesichts der sinkenden Garantiezinsen – lediglich 1,75 Prozent ab 2012 – eher skeptisch. Am Anfang müsse die geförderte Altersvorsorge stehen: der Riester-Vertrag und die betriebliche Altersvorsorge, rät Tenhagen.

Fondsgebundene Lebensversicherung

Anders als bei klassischen Lebensversicherungen, die nur zum sehr geringen Teil (aktuell 3 Prozent der Kapitalanlagen) in Aktien investiert, können bei fondsgebundenen Lebensversicherungen die Gelder in Aktienfonds investiert sein, die direkt von den Schwankungen an den Börsen betroffen sind. Längst nich alle Produkte bieten einen Garantiezins, der am Ende auf alle Fälle bezahlt wird.

Ruhiger kann schlafen, wessen Vertrag noch viele Jahre läuft. Denn für den monatlichen Beitrag bekommt man jetzt mehr Aktien zum niedrigen Preis, so dass wieder steigende Kurse später durchaus wieder für Gewinne sorgen können – ein Prinzip, das auch klassischen Fondssparern zugute kommt.

Aktien

Fallende Aktienkurse bedeuten für Anleger schmerzhafte Verluste. Also weg damit? „Wer jetzt verkauft, verkauft zu einem schlechten Kurs“, gibt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin zu bedenken. „Und dann stellt sich ja noch die Frage, was mache ich mit dem Geld?“. Ein andere Form der Geldanlage ist oft mit Kosten verbunden, die wiederum die Rendite schmäler. Also abwarten und Tee trinken? Das kann eine Strategie sein, wenn das Geld aktuell nicht dringend gebraucht wird und man mit deutlichem Verlust verkaufen würde. „Kann ich auf das Geld nicht verzichten und würde sogar noch im Plus aussteigen, verkaufe ich besser“, rät er. Denn wie lange der Kursrutsch, bzw. die extreme Nervosität an den Märkten andauert, kann derzeit niemand sagen.

Bietet das niedrige Kursniveau nicht eine gute Gelegenheit zum Einstieg in den Aktienmarkt?

Vorsicht. Fondsmanager Tim Albrecht von DWS Investments etwa warnt vor zu viel Zuversicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Politik eine angemessene Lösung für die aktuellen Probleme findet, sieht er bei 50 Prozent. Das wäre nach seinen Worten eine Voraussetzung für eine Erholung an den Börsen. Einstiegskurse sieht er trotz des drastischen Kursverfalls noch nicht. Dafür seien die Risiken zu hoch. Auch Verbraucherschützer Lischke hält einen Einstieg am Aktienmarkt zum jetzigen Zeitpunkt für spekulativ. Er warnt insbesondere vor einem Aktienkauf auf Pump.

Gold

Gold erscheint vielen derzeit als attraktive Anlage. Der Preis steigt und steigt. Am Montag kostete eine Feinunze erstmals mehr als 1700 US-Dollar. Inflation kann Gold nichts anhaben. Aber dennoch ist es für Durchschnittsanleger nicht die ideale Alternative: „Wir raten auch jetzt nicht, in Gold zu investieren“, sagt Christian Urban von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Es spricht nichts dagegen, Gold zu haben, aber auf keinen Fall als wichtigstes Anlageprodukt.“ Denn wie sich der Goldpreis künftig entwickelt, sei reine Spekulation.

Beachtet werden sollte außerdem, dass Gold immer in Dollar gehandelt werde, sagte Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. Das heißt, es gibt ein Währungsrisiko. Wenn der Dollarkurs nach unten geht, ist das schlecht für alle, die in Gold investiert haben. Und anders als zum Beispiel Tagesgeld oder Bundesschatzbriefe bringt Gold keine Zinsen.

Immobilien

Viele überlegen, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Schließlich gilt Betongold als krisensicher. Das ist auch meistens der Fall, denn: „Immobilien sind Sachwertanlagen und nicht von der Inflation betroffen“, sagt Peter Lischke. Allerdings gibt es auch hier Risiken – angefangen vom Zustand der Immobilien bis hin zur alles entscheidende Frage der Lage. Davon hängt ab, ob der Wert des Gebäudes steigt oder zumindest stabil bleibt. Bleibt noch die Finanzierung: „Wenn man das Geld überhat, ist es sicher ein guter Zeitpunkt für einen Immobilienkauf“, so Lischke. Wenn nicht, hängt viel davon ab, wie sie finanziert werden soll. Die Darlehenszinsen seien derzeit noch niedrig.

Allerdings gilt es zu bedenken, dass aufgrund der hohen Nachfrage die Preise für Immobilien vor allem in den Metropolen rasant gestiegen sind, weil nackte Angst die Anleger in Betongold treibt. „In München liegt der Kaufpreis für Mehrfamilienhäuser zwischen dem 21- bis 25-fachen der Nettokaltmiete, je nach Objekt auch höher“, erklärt Berit Dirscherl von der HVB-Tochter Planet Home. Traditionell rechnet die Branche dagegen nur mit der 10- bis 20-fachen Kaltmiete. Die Rendite hat sich also mittlerweile halbiert auf etwa drei Prozent vor Steuern.

Tagesgeld/Sparbuch

Tagesgeldkonten und Sparbücher sind noch immer die beliebteste Anlageform der Deutschen. Hier sind die Beträge durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zur einer Höhe von 100 000 Euro abgesichert. Darüber hinaus haben Banken und Sparkassen ihre eigenen Sicherungssysteme, die im unwahrscheinlichen Fall einer Bankenpleite greifen sollen. Die hohe Sicherheit wird mit niedrigen Zinsen bezahlt. Aktuell gibt es bei Tagesgeld im Schnitt nur 1,5 Prozent

sha/dapd/dpa

Rubriklistenbild: © dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Beate Uhse ist pleite - viele Kunden traurig
Kaum ein anderes Unternehmen stand so für Sex und Freizügigkeit wie Beate Uhse. Doch zuletzt stand es um die Finanzen des Konzerns schlecht - jetzt macht er endgültig …
Beate Uhse ist pleite - viele Kunden traurig
Ryanair geht auf Piloten-Gewerkschaften zu
Ryanair-Chef Michael O'Leary hat sich gerne als Gewerkschaftsfresser gegeben. Doch weil nun europaweite Streiks in der verkehrsreichen Weihnachtszeit drohen, legt der …
Ryanair geht auf Piloten-Gewerkschaften zu
Dax dreht ins Plus - "Hexensabbat" unspektakulär
Frankfurt/Main (dpa) - Mit leichten Schwankungen und zuletzt freundlicher Tendenz hat sich der Dax präsentiert.
Dax dreht ins Plus - "Hexensabbat" unspektakulär
40.000 Niki-Kunden bangen um Rückflug
Die Insolvenz der Airline Niki hat diese Woche für Turbulenzen gesorgt. Während dringend nach einem Käufer gesucht wird, müssen Tausende Passagiere mit anderen …
40.000 Niki-Kunden bangen um Rückflug

Kommentare