Kapitalspritze soll Münchener Rück die Beklemmungen nehmen

- München - Die Münchener Rückversicherungs-AG tritt mit der größten Kapitalerhöhung ihrer Firmengeschichte dem jüngsten Verfall ihrer Bonität entgegen. Die Ausgabe fast 51 Millionen neuer Aktien zu je minimal 75 Euro bringe mindestens 3,8 Milliarden Euro, sagte der scheidende Konzernchef Hans-Jürgen Schinzler in München.

<P>"Druck aus der Öffentlichkeit" habe bei diesem Schritt, der die Börsenkapitalisierung des Konzerns bei unveränderten Kursen um gut ein Fünftel erhöht, mit hineingespielt, räumte er ein. Man wolle damit bei Investoren und Kunden eine seit Monaten andauernde Unsicherheit beenden, unbequemen Spekulationen entgehen und das operative Geschäft stärken.</P><P>Hintergrund der Äußerungen ist ein seit Wochen schwelender Streit zwischen der weltgrößten Rückversicherung und der Ratingagentur Standard & Poor's (S & P) über die Höhe der Kapitalausstattung der Münchner. S & P hatte deren Bonität herabgestuft und dem Assekuranz-Konzern nur noch die fünftbeste Note erteilt, was für ein Unternehmen vom Selbstverständnis der Münchener Rück recht wenig ist. Das Urteil von Ratingagenturen ist für Versicherer sehr wichtig, weil es in der Praxis die Höhe von Prämien begrenzt, die Assekuranzkonzerne von ihren Kunden verlangen können. Bei einer zu niedrigen Bonität kann sogar Geschäft komplett verloren gehen. "Jetzt beginnen die entscheidenden Vertragsverhandlungen für 2004", sagte Schinzler in Anspielung auf diese Tatsache. Zugleich versicherte er aber, dass das bisherige Rating von S & P die Geschäfte seines Konzerns nicht beeinträchtige und er jetzt auch keine sofortige Reaktion der Agentur erwartet. Mittelfristig sei die Münchener Rück aber "sehr zuversichtlich, was das Rating durch S & P angeht", ergänzte Vorstand Jörg Schneider.</P><P>An den Börsen sorgte die Ankündigung der Münchner gemessen an der Dimension der Kapitalerhöhung und des damit verbundenen Verwässerungseffekts für einen relativ geringen Abschlag auf den Kurs. Die Aktie gab in ersten Reaktionen nur um etwa ein Prozent auf rund 97 Euro nach. Die Kapitalspritze werde seit Monaten erwartet und sei weitgehend schon im Kurs eingepreist, erklären Analysten. Vollzogen wird die Kapitalerhöhung vom 28. Oktober bis 10. November. Dann können Altaktionäre für je sieben alte Papiere zwei neue Aktien kaufen. Die neuen Anteile werden gegenüber letzten Kursen mit einem Abschlag von knapp einem Viertel ausgegeben. Sie sind zudem für das Jahr 2003 rückwirkend dividendenberechtigt.</P><P>Nach diesem kräftigen Schluck aus der Pulle und der Ausgabe einer ebenfalls milliardenschweren Anleihe in diesem Frühjahr plane die Münchener Rück keine weiteren Schritte auf dem Kapitalmarkt mehr, stellte Schinzler klar. Um die Ertragskraft zu stärken, wolle man aber defizitäre und auch größere Tochtergesellschaften verkaufen. Treffen könne das primär Versicherungen unter dem Dach des Teilkonzerns Ergo, der nach der Allianz zweitgrößten Erstversicherungsgruppe Deutschlands. Ergo als Ganzes stehe aber nicht zur Disposition. Auch der 25-prozentige Anteil an der HypoVereinsbank (HVB) sei nicht in Stein gemeißelt, bekräftigte Schinzler. Dagegen will die HVB bei der Kapitalerhöhung der Rück voll mitziehen und so ihren Anteil von gut 13 Prozent halten. Die Allianz nutzt dagegen die Gunst der Stunde, um ihren Anteil am Rückversicherer auf gut zwölf Prozent abschmelzen zu lassen.</P>

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