Die unbekannten Discount-Pioniere

Die Aldi-Brüder Karl und Theo Albrecht: zwei milliardenschwere Phantome

Karl und Theo Albrecht haben mit Aldi einen der größten Lebensmittelhändler Deutschlands aufgebaut. Dabei blieben sie selbst immer beinahe unbekannt.

  • Karl und Theo Albrecht haben mit Aldi Süd und Nord ein Imperium aufgebaut.
  • Das Discount-Prinzip war der Schlüssel zu Aldis heutigem Erfolg.
  • Über das Privatleben der Brüder ist kaum etwas bekannt - das liegt auch an einem lange zurückliegenden Schicksalsschlag.

Essen - AlsKarl Hans Albrecht 2014 im Alter von 94 Jahren verstarb, war der Besitzer von Aldi Süd laut Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden Dollar der reichste Mann Deutschlands. Die Angehörigen seines jüngeren Bruders Theo Albrecht, der bereits vier Jahr zuvor 88-jährig gestorben war, listete das Business-Magazin im gleichen Jahr auf Rang drei der wohlhabendsten Deutschen.

Dazwischen lag damals Dieter Schwarz - und auch er verdankt seinen Reichtum zum Teil den Aldi-Brüdern. Als Eigentümer von Lidl verfolgt Schwarz das gleiche Geschäftsmodell wie Aldi: das Discount-Prinzip.

Karl Albrecht und Theo Albrecht revolutionierten mit Aldi den Einzelhandel

Im Jahr 1962 begannen Karl Albrecht und Theo Albrecht, die Produkte direkt aus den Kartons und von Paletten zu verkaufen - per Selbstbedienung. Das sparte Lagerplatz, Angestellte, Zeit und damit Kosten - der Discounter war geboren. Der Name Aldi ist eine Zusammensetzung aus den Anfangsbuchstaben des Familiennamens Albrecht und dem Wort Diskont (was so viel wie „Rabatt“ heißt).

Die folgende Erfolgsgeschichte von Aldi hatte ganz bescheiden begonnen: Mit einer Bäckerei begründete der Vater Karl Albrecht Senior 1913 in Essen das heutige Imperium. Seine Frau Anna eröffnete nebenan einen Tante Emma Laden und führte das Unternehmen während der Kriegsjahre.

Der Aufstieg begann nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem auch Karl und Theo gekämpft hatten. Nachdem Theo Albrecht aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war und Karl Albrecht seine Verletzung von der Schlacht um Moskau auskuriert hatte (die ihn beinahe ein Bein gekostet hätte), stiegen sie in das elterliche Geschäft ein.

Ein seltenes Archivbild von Theo Albrecht vom 17. Dezember 1971. Das Bild entstand nach seiner Entführung und Freilassung.

Erste Erfolge der Albrecht KG, Aufbau des Imperiums und Teilung in Aldi Nord und Aldi Süd

Dabei erwiesen sich die Geschwister als gewiefte Geschäftsleute, sodass die Albrecht KG schon wenige Jahre darauf mehr als 30 Filialen zählte. Bis zum Jahr 1960 war das Unternehmen gar auf über 300 Läden angewachsen und erzielte bereits einen Umsatz von mehr als 90 Millionen D-Mark.

Möglicherweise war die Größe des Unternehmens auch eher der Grund für die Teilung des Imperiums in Aldi Süd und Aldi Nord als der manchmal kolportierte Streit um den Verkauf von Zigaretten. Jedenfalls teilten Karl und Theo Albrecht die Geschäfte ab 1961 unter sich auf: Theo bekam den Norden der Republik für seine Aldi-Standorte (und nach der Wiedervereinigung auch den Osten) und Karl den Süden.

Aldi-Brüder Karl und Theo Albrecht ziehen sich nach Entführung aus der Öffentlichkeit zurück

Über das Privatleben der Brüder ist nur wenig bekannt. Das hängt auch mit einem Ereignis im Jahr 1971 zusammen. Theo Albrecht wurde Opfer einer Entführung. Zwei Männern sperrten ihn mehr als zwei Wochen in einen Schrank ein. Erst gegen eine Zahlung von 7 Millionen D-Mark Lösegeld wurde der Aldi-Nord-Eigentümer freigelassen. 

Eine Anekdote für die Sparsamkeit des jüngeren Aldi-Bruders ist in diesem Zusammenhang, wie Theo Albrecht das Lösegeld beim Finanzgericht Münster als Betriebsausgabe deklarieren wollte. Frühe Mitarbeiter und Vertraute berichten von extremer Sparsamkeit und Penibilität der Brüder in Geschäfts- wie in Privatdingen.

DieTäter wurden zwar gefasst, doch die ohnehin schon verschwiegenen Brüder zogen sich nach der Entführung komplett aus derÖffentlichkeit zurück. Selbst Bilder existieren kaum, seit der Entführung wurden die Albrechts jeweils nur noch einmal von einem Fotografen erwischt.

Albrecht-Familie nur noch kleinstenteils ins Geschäft involviert

Bekannt ist allerdings die Vorliebe der beiden für den Golfsport, für den sich Karl Albrecht sogar einen eigenen Platz im baden-württembergischen Donaueschingen anlegen ließ. Dort verbrachte er seine Freizeit. Außerdem züchtete er angeblich Orchideen. Theo Albrecht soll Schreibmaschinen gesammelt haben.

Beide Albrechts waren verheiratet und haben jeweils zwei Kinder, die weiterhin zu den reichsten Menschen Deutschlands gehören. Von den Familienangehörigen ist aber nur noch einer tatsächlich im Unternehmen aktiv. Der Umsatz beider Ketten ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen, wobei Aldi Süd sich allmählich von Aldi Nord abgesetzt hat.

Das liegt manchen Experten zufolge an der mangelnden Modernisierung des Nord-Aldis, der sich stärker auf das Discount-Prinzip festgelegt hat. Der Süden ist seinem nördlichen Pendant auch bei der letzten Neuerung wieder einen Schritt voraus gewesen.

pks

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / ---

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