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Das Essener Traditionsunternehmen Karstadt hat 79 Warenhäuser in ganz Deutschland. Foto: Martin Gerten

Warenketten im Umbruch

Neue Filialen bei Karstadt, Lohn-Einschnitte bei Kaufhof

Deutschlands große Warenhausketten haben mit den Umbrüchen im Handel zu kämpfen. Doch Karstadt ist bei der Neuausrichtung schon etwas weiter als der Kölner Rivale.

Düsseldorf (dpa) - Der Warenhauskonzern Karstadt arbeitet sich langsam aus der Krise. Erstmals nach rund 30 Jahren plant das Unternehmen neue Filialen.

"In den kommenden Wochen ist bereits die Grundsteinlegung für das neue Haus im Tegel-Center in Berlin", sagte Karstadt-Chef Stephan Fanderl dem "Handelsblatt" (Donnerstagsausgabe). "Dazu kommt ein zweites Haus in der Hauptstadt, das wir bis Ende des Jahres eröffnen werden." Konkurrent Kaufhof hat dagegen die größten Hürden bei der Neuausrichtung noch vor sich.

Fanderl hatte 2014 die Leitung der angeschlagenen Warenhauskette übernommen und ihr danach eine harte Sanierung verordnet, zu der auch der Abbau zahlreicher Stellen und Filialschließungen gehörten. Für das Geschäftsjahr 2016/2017 wies das Essener Traditionsunternehmen mit seinen 79 Warenhäusern in ganz Deutschland trotz rückläufiger Umsätze erstmals seit zwölf Jahren wieder unter dem Strich einen Gewinn von 1,4 Millionen Euro aus, wie aus dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss hervorgeht.

Er sei optimistisch, dass Karstadt auch im laufenden Geschäftsjahr trotz des für die Modebranche schwierigen Jahresbeginns "auf der richtigen Seite der Gewinn-und-Verlustrechnung" landen werde, sagte Fanderl im Interview. Das Unternehmen werde die Modernisierung seiner Kaufhäuser weiter mit großer Kraft vorantreiben und auch wieder ins Möbelgeschäft einsteigen.

Beim Konkurrenten Kaufhof müssen sich die 19 000 Mitarbeiter dagegen darauf einstellen, den Gürtel enger zu schnallen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald bekräftigte vor dem Beginn der Sanierungstarifverhandlungen mit Verdi noch einmal seine Forderung nach Einschnitten bei den Gehältern der rund 18 000 Beschäftigen. "Natürlich ist es schwer für die Mitarbeiter, wenn es zu finanziellen Einbußen kommt", sagte Neuwald der "Wirtschaftswoche". "Aber die wirtschaftliche Lage lässt uns keine andere Wahl: Die Personalkosten müssen runter."

Die Verhandlungen zwischen der Kaufhof-Führung und Verdi sollen am Freitagmittag in Frankfurt beginnen. Neuwald hatte bereits im April deutlich gemacht, dass er bei den Personalkosten "pro Jahr Einsparungen im höheren zweistelligen Millionenbereich" für notwendig hält. Denn noch habe das Unternehmen 15 Prozent höhere Personalkosten als der Hauptmitbewerber Karstadt.

Der Kaufhof kämpft zurzeit mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Verdi hatte sich zu Sanierungstarifverhandlungen bereit erklärt, nachdem Wirtschaftsprüfer im Auftrag der Gewerkschaft die Situation bei dem angeschlagenen Konzern überprüft hatten. Neuwald will eine Trendwende bis 2020 schaffen. Sein Sanierungsprogramm "Turn2Win" sieht neben Einsparungen unter anderem eine Stärkung des Online-Geschäfts und den Ausbau der Zusammenarbeit mit externen Partnern wie der Kosmetikkette Sephora oder dem Modelabel Topshop vor.

Fanderl bekräftigte im "Handelsblatt", die industrielle Logik spreche nach wie vor für einen Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof. Aber das Thema sei erst einmal vom Tisch, nachdem der kanadische Kaufhof-Mutterkonzern HBC ein Angebot des Karstadt-Eigentümers René Benko abgelehnt habe. Befürchtungen, bei einem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof seien zahlreiche Filialen und tausende Arbeitsplätze in Gefahr, wies der Manager zurück. "Wir hätten nur sehr wenige Filialen - sozialverträglich - schließen müssen".

Handelsblatt-Interview (kostenpflichtig)

Bundesanzeiger

Bericht der "Wirtschaftswoche"

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