Karstadt beschleunigt den Abbau: Noch heuer tausende Stellen weg

- Essen - Der angeschlagene Karstadt-Quelle-Konzern drückt bei seiner Sanierung aufs Tempo und will den Abbau von Arbeitsplätzen beschleunigen. Der ursprünglich für einen Zeitraum von drei Jahren vorgesehene Abbau von 5700 Stellen solle nun bereits vor dem Jahresende "in großen Teilen" vollzogen sein, kündigte Personalvorstand Matthias Bellmann an.

<P>In den ersten drei Monaten des Jahres seien bereits 1800 Stellen gestrichen worden. Mitte 2004 gab es in dem Unternehmen 75 400 Beschäftigte - 2008 sollen es 54 000 sein. Eine radikale Kurskorrektur und zusätzlichen Stellenabbau werde es aber auch nach dem in der vergangenen Woche vollzogenen Chefwechsel nicht geben, kündigte der nach dem Rücktritt von Konzernchef Christoph Achenbach als Übergangschef angetretene Finanzvorstand Harald Pinger an.<BR><BR>Nach einer Neuaufstellung im laufenden Jahr werde Karstadt-Quelle bereits 2006 auf den Wachstumspfad zurückkehren, kündigte Pinger an. Dann könne man auch wieder an Zukäufe denken. Gerüchten über eine mögliche Zerschlagung des Konzerns erteilte Pinger eine Absage. Es existieren keine Pläne, etwa zur Trennung des stationären Einzelhandels und des Versandhandels, sagte er.<BR><BR>"Wenn ein neuer Vorstand kommt, glaube ich nicht, dass er sich das Recht nehmen lassen will, Strategien zu verändern", sagte Pinger. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff hatte die Besetzung des vakanten Chefsessels bis zum Sommer in Aussicht gestellt.<BR><BR>Nach einem vor allem durch die Sanierung bedingten Verlust von 1,63 Milliarden Euro im Vorjahr liege der Konzern bei seinen Restrukturierungsbemühungen "voll im Plan", sagte Pinger. "Wir sind heute solide und sicher finanziert", sagte er. Nach der "größten Krise in der Geschichte des Unternehmens" und "internen Fehlern in der Vergangenheit" stehe Karstadt-Quelle jedoch immer noch am Anfang eines längeren Weges.<BR><BR>Nach einem "relativ schwachen Start" in das neue Geschäftsjahr 2005 sei der Konzern-Umsatz in den ersten drei Monaten um 8,6 Prozent weiter zurückgegangen, berichtete der Finanzchef. Im Vergleich dazu habe sich das Ergebnis jedoch "besser entwickelt", sagte er ohne Einzelheiten zu nennen.<BR><BR>In seinem operativen Geschäft wolle Karstadt-Quelle im laufenden Jahr ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Firmenwertabschreibungen von "über 500 Millionen Euro" erzielen und damit seine Ende vergangenen Jahres vorgelegten Pläne übertreffen, kündigte Pinger an. Noch im vergangenen Jahr war Karstadt-Quelle im operativen Geschäft nach einem Ergebnisrückgang von 1,4 Milliarden Euro mit einem Verlust von 428 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht.<BR><BR>Für das laufende Jahr rechne Karstadt-Quelle dabei mit einem Umsatzrückgang im "kleinen bis mittleren einstelligen Prozentbereich". Im vergangenen Jahr war der Konzernumsatz um 6,8 Prozent auf 13,45 Milliarden Euro zurückgegangen.<BR><BR>Die Gewerkschaft Verdi forderte im Zuge der Sanierung indes mehr Investitionen in neue Konzepte. Bisher habe sich die Umsetzung des Konzepts zu sehr auf eine Reduzierung der Kosten konzentriert.</P>

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