+
Karstadt hatte vor kurzem angekündigt, 2016 die Häuser in Bottrop, Mönchengladbach-Rheydt, Dessau, Neumünster und dieses in Recklinghausen aufzugeben. Foto: Bernd Thissen

Karstadt-Chef: "Keine zweite Schließungsrunde geplant"

Tausende Karstadt-Beschäftigte können erst einmal aufatmen. Laut Firmenchef Fanderl sind keine weiteren Filialschließungen und auch keine zusätzlichen Entlassungen geplant.

Berlin/Essen (dpa) - Karstadt-Chef Stephan Fanderl macht den von Filialschließungen und Entlassungen verunsicherten Beschäftigten des Warenhauskonzerns Hoffnung. "Ich habe keine zweite Schließungsrunde geplant", sagte der Manager der "Welt".

Auch beim Thema Personalabbau gebe es "nach derzeitigem Stand keinen Grund, über die bisherigen Maßnahmen hinauszugehen". Karstadt hatte vor kurzem angekündigt, 2016 die Häuser in Recklinghausen, Bottrop, Mönchengladbach-Rheydt, Dessau und Neumünster aufzugeben - rund 500 Jobs werden voraussichtlich gestrichen. Außerdem hatte das Unternehmen Ende März 960 Mitarbeitern gekündigt.

Dank der Sanierungsmaßnahmen gehe es mit dem Warenhauskonzern inzwischen wieder bergauf, sagte Fanderl. "Wir machen bessere Geschäfte. Das ist klar erkennbar." Schon im laufenden Geschäftsjahr werde Karstadt voraussichtlich die Verluste deutlich eindämmen. "Wir müssen im kommenden Geschäftsjahr in der Lage sein, wieder Geld zu verdienen", sagte er der Zeitung mit Blick auf 2015/2016. Nach seinen Worten soll die Sanierung zum Ende des Geschäftsjahres 2016/2017 abgeschlossen sein.

Fanderl verteidigte die geplanten Filialschließungen. "Alle diese Standorte zählen zu den schwierigsten, was die Ergebnissituation anbetrifft." Andernorts laufe es jedoch besser: "Von den Filialen, die zuletzt noch nicht profitabel waren, konnten wir bereits rund die Hälfte ins Plus drehen. Bei einigen arbeiten wir weiter mit Hochdruck daran."

Der Manager betonte, Karstadt habe die finanzielle Kraft, die Sanierung aus eigenen Mitteln zu stemmen. Eine Rückkehr von Karstadt in den Tarifvertrag, wie sie von der Gewerkschaft Verdi gefordert wird, schloss er nicht aus. In seiner 134-jährigen Geschichte sei das Unternehmen fast immer tarifgebunden gewesen.

Im Interview zeigte der Manager Sympathien für eine weitere Konsolidierung im Warenhausgeschäft, wie sie etwa in der Form einer Fusion von Karstadt und Kaufhof immer wieder diskutiert wird. Eine Konsolidierung berge viele Chancen für Kunden und Mitarbeiter, sagte Fanderl. So könnte ein gemeinsames Unternehmen mehr investieren und sich besser auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen.

Bei der Neuausrichtung von Karstadt will Fanderl auch das Sortiment der Kaufhauskette wieder erweitern. Möglicherweise würden demnächst im größerem Umfang wieder Sportartikel angeboten, sagte er und fügte hinzu: "Wir denken auch daran, Drogerieabteilungen aufzubauen oder Lösungen für ein qualifiziertes Elektrosegment zu finden." Dadurch könnten neue Kundengruppen gewonnen oder alte zurückgeholt werden.

Interview mit Fanderl in der "Welt"

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Experten: Nachrüstungen alter Diesel "grundsätzlich möglich"
Die Regierung lässt Millionen Autobesitzer seit Monaten im Unklaren: Kommt doch noch mehr als neue Software, um Motoren zu schmutziger Diesel sauberer zu bekommen? Nun …
Experten: Nachrüstungen alter Diesel "grundsätzlich möglich"
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Für die DFB-Elf geht es am Samstag schon um alles. Gut ist das immerhin für die TV-Einschaltquoten - und die Spannung. Auch mehrere Supermarkt-Filialen reagieren.
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Die Opec hat am Freitag vorgelegt, einen Tag später ziehen die Nicht-Opec-Länder nach. Mehr Öl soll in den Markt gepumpt werden, um eine Balance zwischen Angebot und …
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 
Daimler hat die Auslieferung mehrerer Diesel-Modelle gestoppt. Grund  ist der angekündigte Rückruf für Fahrzeuge, die einen Diesel-Motor nach der Norm 6b enthalten.
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.