Karstadt: Geht es um Kopf des Chefs?

- Essen - Das Ringen um die Zukunft von Karstadt-Quelle wurde zum Nervenkrieg. Noch gestern früh hatte der Konzern eine Erklärung für 16 Uhr angekündigt. Doch selbst am frühen Abend war noch kein Termin für die Veröffentlichung absehbar. Dafür mehrten sich die Hinweise, dass hinter den Kulissen bereits am Stuhl des Sanierers Christoph Achenbach gesägt wird.

<P>Unmittelbar vor der Entscheidung über die Rettung hat der Aufsichtsrat Gerüchte über eine Ablösung der Unternehmensspitze zurückgewiesen. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff ließ in Essen erklären, an den Berichten, dass Banken nach der Sanierung den Rücktritt von Vorstandschef Christoph Achenbach betrieben, sei nichts dran. Er stehe nach wie vor fest zu Achenbach. Wenn es dem Unternehmen bis Freitag nicht gelingt, die bei der Hauptversammlung am Montagabend eingelegten Widersprüche von Aktionären auszuräumen, gerät zusammen mit der bereits beschlossenen Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro der gesamte Sanierungsplan des ums Überleben kämpfenden Unternehmens in Gefahr. "Wenn die Kapitalerhöhung blockiert wird, droht der Gesellschaft die Insolvenz", hatte Aufsichtsratschef Middelhoff bereits am Montag gewarnt. Zusammen mit der Kapitalerhöhung droht auch der bereits in der vergangenen Woche von den Banken zugesagte Kredit über 1,75 Milliarden Euro zu kippen. Die Kapitalerhöhung und der Kredit zählen zusammen mit einem mit den Beschäftigten bereits ausgehandelten Sanierungsbeitrag von 760 Millionen Euro zu den Bausteinen eines Sanierungspakets, mit dem der Konzern wieder auf die Beine kommen will.<BR><BR>Dazu hat Konzernchef Achenbach jedoch die tiefsten Einschnitte in der bisherigen Unternehmensgeschichte angekündigt: Neben der Streichung von 5700 Arbeitsplätzen im Konzern will sich das Unternehmen in seinem Warenhausgeschäft auf 89 große Filialen konzentrieren. 77 kleine Häuser sollen ab Anfang kommenden Jahres ausgegliedert und später abgegeben werden. Nach dem am Montag bei der Hauptversammlung in Düsseldorf vorgelegten Fahrplan sollte im Laufe des Donnerstags auch noch der Bezugspreis für die neuen Aktien aus der bereits beschlossenen Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro bekannt gegeben werden. <BR><BR>Widersprochen hat der Kapitalerhöhung eine Gruppe von Kleinaktionären, die vom Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VFA) vertreten werden, sowie der Kasseler Kleinaktionär Rainer Johannes. Der VFA hat unterdessen Vorwürfe zurückgewiesen, dass es bei den Widersprüchen darum ginge, finanzielle Vorteile zu erlangen. Der Einspruch sei ein rein formaler Akt, mit dem Kleinaktionäre ihre Rechte bei künftigen gerichtlichen Verfahren wahren wollten. "Auf keinen Fall haben wir die Sanierung von Karstadt-Quelle damit blockieren wollen", hieß es. Gleichwohl kritisierte der Mentor des Vereins, der Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger, den hohen Zinsaufschlag, den die Banken bei dem sanierungsbedürftigen Konzern holen: "Was hier stattfindet, ist eine Ausplünderung durch die Banken", sagte er. </P>

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