Karstadt-Rettung wird zum "Ritt auf der Rasierklinge"

Essen - Dramatik beim Ringen um die Zukunft der insolventen Warenhauskette Karstadt. “Das ist der Ritt auf der Rasierklinge“, so beschreibt Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg seinen heiklen Job.

Bei dem seit Wochen laufenden Verkaufsgesprächen will sich der erfahrene Insolvenzprofi Görg nicht in die Karten schauen lassen. Geschickt setzt er dabei auch mögliche Interessenten unter Druck. Eine zunächst in dem Insolvenzplan festgeschriebene Frist für den endgültigen Abschluss des Karstadt-Verkaufs Ende April wurde am Montag in letzter Minute wieder entschärft.

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Doch Görg will weiter aufs Tempo drücken. Bis Freitag kommender Woche (23. April) um Punkt 1700 Uhr sollen die Interessenten nun ihre Angebote vorlegen. “Unser Ziel ist es, zu einer raschen Entscheidung zu kommen“, sagt Görg. Im Poker mit den Karstadt-Interessenten geht es dabei wohl auch um gute Nerven. “Das ist wie Beamten-Mikado. Wer sich zuerst bewegt, hat verloren“, beschreibt ein Insider am Rande der Gläubigerversammlung am Montag in Essen die Situation.

Für die rund 26 000 Karstadt-Beschäftigten geht es dabei um nicht weniger als ihre berufliche Existenz. “Die Kollegen von Karstadt hoffen alle“, beschreibt die Recklinghäuser Betriebsrätin Christa Schubert die angespannte Stimmungslage. “Jeden Tag freundlich sein und trotzdem immer die Sorge, dass es nicht weitergeht“, so erlebt auch der Karstadt-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Helmut Patzelt den bereits seit Jahren auf den Menschen lastenden Druck.

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Rund 1,6 Millionen Unterschriften haben sie für den Erhalt der Warenhaus-Standorte gesammelt, doch niemand weiß, ob das einen der Investoren beeindrucken kann. Als sicher gilt jedoch, dass es unter der Regie eines neuen Investors zu weiteren Einschnitten kommen wird. Dreizehn Warenhäuser waren bereits unter der Regie des Insolvenzverwalters geschlossen worden, rund 1000 Arbeitsplätze wurden bereits abgebaut.

Mit der Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan hat Görg am Montag nun die heiße Phase in dem Verkaufsprozess eröffnet. Fast 100 Prozent der Gläubiger billigten in der Karstadt-Kantine ohne großen Widerspruch den Verzicht auf bis zu 97 Prozent ihrer angemeldeten Forderungen von 2,7 Milliarden Euro. Für den Milliarden-Verzicht existiere keine Alternative, hatte ihnen zuvor der Insolvenzverwalter zusammen mit seinen Mitarbeitern nachdrücklich vorgerechnet.

Bei einer Totalliquidation von Karstadt drohe der Verlust von bis zu 99 Prozent der Forderungen, hieß es. Den Karstadt-Lieferanten drohe zudem der endgültige Verlust ihrer Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen, den Vermietern drohten Schäden von knapp 1,6 Milliarden Euro, der Bundesanstalt für Arbeit drohe der Ansturm von tausenden von neuen Arbeitslosen.

Ein Schicksal wie bei der zweiten großen Arcandor-Tochter Quelle soll Karstadt dabei erspart werden. Ebenso wie für die Muttergesellschaft Arcandor hatten die Gläubiger bereits im vergangenen Jahr das Aus für den Versandhändler beschlossen. “Bei der Quelle waren die Voraussetzungen wesentlich ungünstiger“, ist sich Görg sicher.

Von Uta Knapp

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