Karstadt: Insolvenzverwalter muss auf Millionen warten

Essen - 34 Millionen Euro für Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und die Mitglieder des Gläubigerausschusses liegen auf Eis. Sieben Gläubiger haben gegen die Höhe des Betrages Beschwerde eingelegt.

Das bestätigte das Amtsgericht Essen einen Bericht der “Financial Times Deutschland“ (Donnerstag). Die Übernahme der Warenhauskette Karstadt nach einem der größten Insolvenzverfahren in der deutschen Handelsgeschichte durch Investor Nikolas Berggruen bleibt davon unberührt. Der Kauf sei rechtsgültig, sagte ein Gerichtssprecher. Das Amtsgericht hatte die Vergütung für Görg und seinen Mitarbeiterstab im Fall Karstadt auf 32,3 Millionen Euro festgelegt. Rund 2 Millionen Euro insgesamt sollen die zwölf Mitglieder des Gläubigerausschusses bekommen. Die Gläubiger könnten auf der anderen Seite von einer Klage Görgs profitieren. Es geht um 175 Millionen Euro.

Der Insolvenzverwalter hat Schadenersatzklage gegen elf ehemalige Manager und Aufsichtsräte eingereicht. Die Staatsanwaltschaften in Bochum und Köln ermitteln in dem Fall bereits gegen rund 20 Personen im Umfeld des früheren KarstadtQuelle-Konzerns wegen des Verdachts der Untreue und der Beihilfe hierzu. Betroffen sind neben Ex-Chef Thomas Middelhoff nach Angaben der Ermittler auch noch frühere Konzernlenker und Aufsichtsräte. Das “manager magazin“ nennt in seiner neuen Ausgabe (Freitag) den einstigen Vorstandschef Wolfgang Urban, Ex-Vorstand Norbert Nelles und den seinerzeitigen Aufsichtsratschef Hans Meinhardt. Sie werden beschuldigt, fünf Warenhäuser um 66 Millionen Euro zu billig an den Esch-Fonds verkauft zu haben und später wissentlich und billigend weit überhöhte Mieten für die umgebauten Objekte akzeptiert zu haben.

Middelhoff und Ex- Finanzvorstand Harald Pinger sollen die endgültigen Verträge mit der Immobilien-Gruppe Esch unterzeichnet und auf Regress gegen Urban oder Meinhardt verzichtet haben. Ob Görgs Klage im Erfolgsfall nachträglich die Insolvenzkasse auffüllen kann, ist offen. Da die Klage in vielen Fällen vorsätzliches Handeln nahelege, ist es nach Magazin-Angaben fraglich, ob die Manager-Haftpflichtversicherung zahlt. Die hohe Zahlung an den Insolvenzverwalter im Fall Karstadt begründet Görg mit dem langen und komplexen Verfahren, das er am Ende erfolgreich abgeschlossen habe. Bei Ausschöpfung aller möglichen Beträge hätte er auch mehr als 50 Millionen Euro verlangen können, hatte Görg erklärt.

Das Geld für ihn und die Ausschussmitglieder muss aus der Insolvenzmasse bezahlt werden. Die sieben Gläubiger, die Beschwerde eingelegt haben, halten die Summe dennoch für zu hoch. Dem Zeitungsbericht nach ist unter ihnen auch ein Unternehmen, dass schon Einspruch gegen den Insolvenzplan eingelegt hatte und zusammen mit anderen Unternehmen die Übernahme durch Berggruen herausgezögert hatte. Das Gericht will jetzt die Beteiligten anhören und voraussichtlich Anfang November entscheiden. Bleibt das Gericht bei der Festsetzung der Zahlungshöhe, geht die Beschwerde automatisch an das Landgericht Essen weiter, sagte der Sprecher. Die Gesamtkosten des Insolvenzverfahrens hat Görg früheren Angaben nach auf rund 50 Millionen Euro beziffert. Darin sind neben den 34 Millionen noch Gerichts- und Anwaltskosten enthalten. Görg ist derzeit noch Insolvenzverwalter für mehr als 40 Einzelgesellschaften des ehemaligen Arcandor-Konzerns. Als größere Verfahren gelten noch Quelle und die Dachgesellschaft Arcandor.

dpa

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