Sitzung geplatzt

Karstadt lässt Mitarbeiter weiter um Zukunft bangen

Essen - Am Donnerstag wollte der Karstadt-Aufsichtsrat eigentlich über ein Sanierungskonzept beraten. Doch die mit Spannung erwartete Sitzung findet erst einmal nicht statt. Zu den Hintergründen.

Die Karstadt-Beschäftigten müssen weiter um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze bangen. Die mit Spannung erwarteten Beratungen des Aufsichtsrats über die neuen Sanierungspläne, die ursprünglich für diesen Donnerstag vorgesehen waren, sind nach dem Eigentümerwechsel verschoben worden. Wie Karstadt am Dienstag mitteilte, hat das Kontrollgremium die Sitzung abgesagt, ein neuer Termin stehe noch nicht fest.

Es solle gewartet werden bis das Bundeskartellamt die Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette durch die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko freigegeben habe, hieß es in Essen. Außerdem müssten mit dem Besitzerwechsel auch die Vertreter des früheren Eigentümers Nicolas Berggruen in dem Gremium durch Vertreter Benkos ersetzt werden.

Aufsichtsratschef Stephan Fanderl betonte: „Wir werden die Sanierung der Karstadt Warenhaus GmbH zügig und entschlossen angehen. Aber wir können der Entscheidung der Kartellbehörde nicht vorgreifen.“

Nur wenige Tage nach dem Einstieg Benkos bei Karstadt kam es am Montag auch zu ersten Veränderungen in der Führungsspitze der Warenhauskette. Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz, der Karstadt nach dem überraschenden Weggang von Eva-Lotta Sjöstedt zusammen mit Finanzvorstand Miguel Müllenbach leitete, verlässt den Konzern „in beiderseitigem Einvernehmen“, wie Karstadt mitteilte. Seine Aufgaben würden vorläufig von Müllenbach mitübernommen.

Am Freitag war bekanntgegeben worden, dass der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen die 83 verbliebenen Karstadt-Warenhäuser und die restliche Beteiligung an den Premiumhäusern sowie an den 28 Sporthäusern für einen Euro an Benkos Signa-Holding verkauft. Am gleichen Tag war die Übernahme auch beim Bundeskartellamt angemeldet worden, wie ein Behördensprecher bestätigte. Offiziell hat die Behörde einen Monat Zeit für eine erste Prüfung des Vorhabens. Doch könnte die Entscheidung auch deutlich schneller fallen, wenn die Behörde die Übernahme als unproblematisch einstuft, womit allgemein gerechnet wird.

Benko will die angeschlagene Warenhauskette nach einem Bericht des „Handelsblatts“ innerhalb von ein bis zwei Jahren sanieren. Benkos Rettungsplan sehe vor, anhaltend verlustreiche Karstadt-Häuser zu schließen. Attraktive Standorte sollten in Einkaufsmeilen mit Markenhändlern verwandelt werden. Der Konzern selbst solle saniert werden - mit neuer Organisation und Informationstechnik, hieß es in der Zeitung.

Die Gewerkschaft Verdi warnte Benko allerdings vor übereilten Entscheidungen. „Karstadt hat derzeit andere Probleme als zu viele Häuser“, sagte der Verdi-Vertreter im Karstadt-Aufsichtsrat, Arno Peukes, der „Berliner Zeitung“ (Dienstag). Zuallererst müsse der neue Eigentümer ein vernünftiges Konzept auf den Tisch legen. Der Investitionsbedarf bei Karstadt sei „nicht höher als die Kosten, die durch Schließungen verursacht würden“, sagte Peukes.

Spekulationen, wonach Benko auf Dauer eine Fusion von Karstadt mit dem Rivalen Kaufhof zu einer „Deutschen Warenhaus AG“ anstrebe, stießen beim Konkurrenten auf wenig Interesse. „Wir diskutieren diese Option nicht“, sagte Kaufhof-Sprecher Gerd Koslowski dem Tagesspiegel (Dienstag). Daran habe sich „auch nach dem Eigentümerwechsel nichts geändert“. Für eine Fusion sieht man beim Kölner Unternehmen, das zum Metro-Konzern gehört, keine Notwendigkeit: „Wir sind seit ewigen Zeiten profitabel.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Darauf müssen sich Verbraucher im kommenden Jahr einstellen
Weniger Sozialabgaben, mehr Hartz IV, Ende des 500-Euro-Scheins: Im kommenden Jahr müssen sich die Verbraucher wieder auf einige Änderungen einstellen.
Darauf müssen sich Verbraucher im kommenden Jahr einstellen
Wird die Eröffnung des Flughafen BER zum siebten Mal verschoben?
Im Dezember soll es einen Termin geben: Es wäre das siebte Mal, dass sich die Verantwortlichen auf ein Datum oder einen Zeitraum festlegen, den berüchtigten Flughafen …
Wird die Eröffnung des Flughafen BER zum siebten Mal verschoben?
Dax verliert Kampf um Marke von 13.000 Punkten
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Freitag nach einem richtungslosen Handelsverlauf letztlich etwas nachgegeben. Vor dem Wochenende seien die Anleger wieder …
Dax verliert Kampf um Marke von 13.000 Punkten
Sparkassenpräsident Fahrenschon tritt zurück
Nach lähmender Debatte über zu spät abgegebene Steuererklärungen gibt der oberste Lobbyist der Sparkassen auf. Noch in diesem Monat legt er sein Amt nieder. Das Rumoren …
Sparkassenpräsident Fahrenschon tritt zurück

Kommentare