Karstadt: Middelhoff will im Versandhandel aufräumen

- Essen/Frankfurt - Gut einen Monat vor dem Auslaufen seiner selbst gesetzten "100-Tage"-Frist Mitte August muss Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff nun noch einmal kräftig aufs Sanierungstempo drücken. Sorgenkind im Konzern ist immer noch der tief in den roten Zahlen steckende Universalversand der Karstadt-Quelle-Töchter Quelle und Neckermann. Nun zwingen die anhaltenden Probleme im Versand den Konzernchef dazu, seine Ergebnisprognose um 150 Millionen Euro auf 350 Millionen Euro nach unten zu korrigieren.

Trotz der anhaltenden Probleme sieht Thomas Middelhoff den Patienten Karstadt-Quelle auf dem Wege der Besserung. Es sei kein angeschlagener Konzern mehr: Vier von fünf Bereichen seien über den Berg. Dazu gehörten auch wieder die Warenhäuser und die Touristiktochter Thomas Cook. "Zum ersten Mal seit Jahren gibt es überschaubare positive und negative Abweichungen", freut sich Middelhoff."Hier sind über Jahre hinweg Anpassungsmaßnahmen unterlassen worden", stellte der seit Mitte Mai amtierende Konzernchef Middelhoff fest. Schon bei seinem Amtsantritt sei ihm dies bewusst gewesen, so der Manager, der bereits zuvor "hausgemachte" Probleme für die Krise bei Karstadt-Quelle verantwortlich gemacht hatte. Als eine seiner ersten Amtshandlungen als neuer Karstadt-Quelle Chef hatte Middelhoff vor zwei Monaten den für den Versandhandel zuständigen Vorstand Arwed Fischer vor die Tür gesetzt. Weitere verantwortliche Manager mussten nun folgen.An der Spitze einer Einsatztruppe war KarstadtQuelle-Finanzvorstand Harald Pinger bereits zuvor von dem Konzernchef mit der Ausarbeitung eines Sanierungsplans für das KarstadtQuelle-Sorgenkind Versandhandel beauftragt worden. Die Lage sei "deutlich komplizierter als bislang angenommen", lautete sein ernüchterndes Fazit."Der Kern der Versand-Organisation ist gut", räumte Pinger jedoch ein. Großes Potenzial sehe er im Verkauf über das Internet in Osteuropa und im Spezialversand. Durch die Umwandlung der bislang als Aktiengesellschaften geführten Töchter in die Rechtsform einer GmbH soll künftig die Anbindung an den Mutterkonzern enger werden. Für den gesamten Versandbereich sei ein neuer Chef bereits gefunden, dessen Name jedoch noch nicht genannt werde.Möglicherweise wird er schon ein bestelltes Feld vorfinden, denn bis September soll mit den Arbeitnehmervertretern über zusätzliche Kosteneinsparungen im Versand verhandelt werden. Auch das angekündigte Verkaufsprogramm von Tochtergesellschaften soll nun mit Hochdruck in den kommenden Monaten weiter verfolgt werden. Ziel ist die Trennung von 75 kleinen Warenhäusern sowie von den Fachhandelsketten bis Ende September.

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