Karstadt: Neuer Chef macht Druck

- Düsseldorf - Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff galt schon lange als der entscheidende Drahtzieher hinter den Kulissen von Karstadt-Quelle. Dass er jetzt selbst das Heft in die Hand nimmt und Vorstandsvorsitzender wird, verdeutlicht die dramatische Lage bei dem finanziell schwer angeschlagenen Handelsriesen. Mehr als einen Monat lang war der Chefposten unbesetzt geblieben.

<P class=MsoNormal>Bis zu einer gelungenen Sanierung werde er das Ruder übernehmen und das Unternehmen wieder "erfolgreich machen", versprach der 52-jährige Manager bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. "Wir müssen nun schnell und entschlossen handeln."</P><P class=MsoNormal>Anhaltenden Spekulationen über eine Zerschlagung des Unternehmens erteilte er eine entschiedene Absage. "Es ist keine Aufgabe, die mit einer Aufspaltung des Unternehmens zu tun hat", umriss der neue Chef von rund 100 000 Beschäftigten seine Vorstellungen.</P><P class=MsoNormal></P><P class=MsoNormal>Mit "schlankeren" Führungsstrukturen und einem "noch schnelleren Umbau" der 89 großen Warenhäuser werde er nun aufs Tempo drücken. Der eingeschlagene Kurs solle dabei jedoch beibehalten werden. Erst Mitte vergangenen Monats hatte die Unternehmensberatung Roland Berger dem Konzern erneut bescheinigt, "auf dem richtigen Weg" zu sein.</P><P class=MsoNormal>Doch ein Blick in die Bilanz verrät: Karstadt-Quelle ist finanziell ausgezehrt. Die Rücklagen sind verbraucht, zeigen die Zahlen über den Geschäftsverlauf im ersten Quartal 2005. Die schwachen Zahlen hätten Zweifel an der Liquidität des Unternehmens bestätigt, sagte ein Analyst des Wertpapierhauses Merrill Lynch.</P><P class=MsoNormal>"Das Unternehmen steht nicht so schlecht da, wie es die Zahlen nahe legen", meint dagegen Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Thomas Cook beispielsweise sei ein großer Aktivposten im Konzern. Würde die Beteiligung verkauft, wäre Karstadt-Quelle auf einen Schlag schuldenfrei.</P><P class=MsoNormal>Vor dem Hintergrund anhaltender Verluste zum Start in das entscheidende Sanierungsjahr 2005 gaben Aufsichtsrat und Eigentümer der Neubesetzung des vakanten Chefpostens oberste Priorität. "Wir waren mit vier Kandidaten im Gespräch. Die Position wäre kurzfristig nicht zu besetzen gewesen", beschrieb Middelhoff den enormen Druck der vergangenen Wochen. Auf Bitten der Eigentümer und des Aufsichtsrats habe er schließlich zugestimmt, den Job zu übernehmen, sagte der ehemalige Bertelsmann-Chef.</P><P class=MsoNormal>Nach dem Rücktritt von Christoph Achenbach Anfang April hatte sich die fieberhafte Suche nach einem neuen Karstadt-Quelle-Chef auf einen "charismatischen Handelsfachmann mit Kenntnissen des heimischen Marktes" konzentriert. Als Organisator der Suche galt Aufsichtsratschef Middelhoff persönlich.</P><P class=MsoNormal>Unternehmens- und Personalberater wiesen bereits damals auf eine weitere wichtige Eigenschaft des neuen Chefs hin. Der künftige Mann an der Unternehmensspitze müsse in der Lage sein, alles durchzusetzen. Entweder arbeite der Neue eng mit Middelhoff zusammen - "oder dieser macht es selber".</P>

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