Karstadt nimmt Konkurrenz ins Visier

München/ Essen - Gerüchte um eine mögliche Elefantenhochzeit zwischen Kaufhof und Karstadt kursieren seit Monaten. Jetzt kochen sie wieder hoch. Analysten sehen in einem Zusammenschluss enormes Einsparpotenzial und eine Überlebenschance am hart umkämpften Markt.

Der Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, und der neue Metro-Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes verhandeln über eine Fusion der beiden Warenhaustöchter Kaufhof und Karstadt unter dem Dach des Essener Handels- und Tourismuskonzerns - das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise und das Umfeld der beiden Konzerne.

Sprecher der Unternehmen wollten den Bericht nicht kommentieren und verwiesen auf "übliche" Marktspekulationen. "Von konkreten Verhandlungen ist uns offiziell nichts bekannt", sagte auch eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi. Allerdings hatte Karstadt-Warenhaus-Chef Peter Wolf zuletzt in einem Interview betont, dass aus seiner Sicht eine Konsolidierung auf dem deutschen Warenhaus-Markt sinnvoll sei. In anderen Handelsbereichen wie dem Lebensmittel-Einzelhandel und den Baumärkten sei sie längst im Gang.

Durch einen Zusammenschluss würde nicht nur Europas zweitgrößter Warenhauskonzern entstehen, es könnten dem "Handelsblatt" zufolge Effizienzgewinne von 350 bis 400 Millionen Euro jährlich entstehen. Für die beiden Wettbewerber böte sich damit eine bessere Chance im umkämpften deutschen Einzelhandelsmarkt. Kaufhof machte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 3,6 Milliarden Euro gerade einmal einen Betriebsgewinn von 82 Millionen Euro. Karstadt wies bei einem Umsatz von 4,9 Milliarden Euro sogar einen Verlust von 12 Millionen Euro aus.

Die Häuser im Innenstadtbereich seien einem "gewaltigen Kostendruck" ausgesetzt, erklärt Christian Bitter, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands BAG Bayern. Hier Einsparungen zu erreichen, sei durchaus Motivation genug, zu fusionieren.

Was die Börsianer freut, könnte aber für Verbraucher und Mitarbeiter unangenehme Folgen haben. Filialschließungen seien laut Verdi wohl kaum zu vermeiden. Schließlich liegen die Warenhäuser von Kaufhof und Karstadt häufig Tür an Tür. Allein in München gibt es vier Kaufhof- und sechs Karstadt-Filialen - davon jeweils zwei zwischen Stachus und Marienplatz.

Für die Verbraucher könnte die mit einer Fusion verbundene Verringerung des Wettbewerbs nicht nur weniger Auswahl, sondern auch weniger Preiswettbewerb bedeuten. Allerdings können die Kunden noch auf das Bundeskartellamt hoffen, dem noch keine Anfrage der Unternehmen vorliegt.

Historisch wäre die Fusion der Abschluss einer seit Jahrzehnten andauernden Konsolidierungsphase in der Branche. 1994 hatte Karstadt den Frankfurter Konkurrenten Hertie übernommen. Kaufhof schluckte wenig später den Düsseldorfer Rivalen Horten. Kaufring und Kaufhalle verschwanden von der Bildfläche. Gleichzeitig schrumpften unter dem Ansturm aggressiver Konkurrenten wie Hennes & Mauritz die Marktanteile der traditionellen Warenhäuser.

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