Karstadt-Quelle formt neuen Touristik-Riesen

Essen: - Essen -­ Im 126. Jahr der Firmengeschichte steht der Essener Handelskonzern Karstadt-Quelle vor der wohl einschneidendsten Veränderung seit Gründung des Unternehmens. Aus dem traditionsreichen Warenhaus- und Versandhandelsunternehmen wird ein Touristikkonzern mit angegliederter Handelssparte. Nach der angekündigten Fusion mit dem britischen Konkurrenten MyTravel wird die Karstadt-Reisetochter Thomas Cook die mit Abstand umsatzstärkste Konzernsparte sein ­ und wohl auch die zukunftsträchtigste. Es ist ein Coup, der typisch ist für Konzernchef Thomas Middelhoff.

Erst in der vergangenen Woche hatte Karstadt-Quelle sich für 800 Millionen Euro die Mehrheit an Europas zweitgrößtem Reiseveranstalter Thomas Cook gesichert. Nur wenige Tages später gab Middelhoff jetzt die Fusion der Karstadt-Reisetochter mit Europas Nummer drei, MyTravel, bekannt. Durch den Zusammenschluss entsteht ein ernsthafter Herausforderer für Europas bislang unangefochtenen Marktführer Tui. Karstadt-Quelle hält an dem neuen Riesen 52 Prozent der Anteile.

Künftig stammen 58 Prozent der Karstadt-Umsätze aus dem Touristikgeschäft. Auf die Warenhäuser entfallen noch 23 Prozent und der zuletzt krisengeplagte Versandhandel trägt künftig gerade einmal 19 Prozent zum Umsatz bei. Der Auslandsanteil am Umsatz steigt auf einen Schlag von knapp 20 auf fast 50 Prozent.

Bereits auf der kommenden Hauptversammlung am 10. Mai soll der Konzernname Karstadt-Quelle einem neuen Kunstnamen ­ ähnlich wie Aventis oder Eon ­ weichen.

Der neu formierte Konzern erreiche durch die Übernahme einen Umsatz in Höhe von rund 21 Milliarden Euro. Die Börse reagierte auf die Ankündigung mit einem deutlichen Kursanstieg für Karstadt-Quelle und MyTravel.

Mit einem Umsatz von zwölf Milliarden Euro werde die Karstadt-Quelle-Tochter Thomas Cook zu einem der weltweit größten Tourismusunternehmen aufsteigen, kündigte Middelhoff an. Thomas Cook belegt bislang mit einem Umsatz von 7,8 Milliarden Euro Platz zwei hinter Tui, MyTravel liegt mit 4,2 Milliarden Euro auf dem dritten Rang.

Durch den Zusammenschluss würden vor allem in Großbritannien Einsparungen von 75 Millionen Pfund (112,7 Millionen Euro) erwartet, sagte der Konzernchef. Zu einem Abbau von Arbeitsplätzen werde es dabei in Großbritannien, nicht jedoch unter den 4200 Thomas-Cook-Beschäftigten in Deutschland kommen.

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