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Karstadt-Quelle trennt sich von Versandsparte Neckermann

- Essen ­- Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff zieht die Reißleine und trennt sich vom drittgrößtem deutschen Versandhändler Neckermann. Die Tochter soll verkauft oder an die Börse gebracht werden. Noch vor wenigen Monaten hatte Middelhoff das Versandhaus zu einer Internet-Handelsplattform ausbauen wollen. Doch gelang es offenbar nicht schnell genug, die Probleme bei Neckermann und Quelle in den Griff zu kriegen.

Allein in den ersten neun Monaten brach der Umsatz der beiden Versandhäuser um fast zehn Prozent ein. Gleichzeitig explodierten die Verluste und machten die Sanierungserfolge in der Warenhaussparte praktisch zunichte. Wie ein Mühlstein hingen die Versandhäuser zuletzt am Hals von Karstadt. Nie war es dem Essener Unternehmen gelungen, aus dem Zusammenspiel der beiden Versandhäuser wirklichen Gewinn zu ziehen.

Jetzt will Middelhoff einen Schlussstrich ziehen und künftig alle Kräfte auf den deutschen Versandhandels-Marktführer Quelle konzentrieren. Das Internetgeschäft soll massiv ausgebaut werden. Darüber hinaus werde Quelle in das wachstumsstarke Teleshopping einsteigen.

Es ist eine Entscheidung, die typisch scheint für Middelhoff: schnell, strategisch überraschend und konsequent -­ wie der Verkauf von mehr als 70 kleineren Warenhäusern des Konzerns oder des milliardenschweren Immobilienbesitzes in den 1a-Lagen der Innenstädte. Middelhoff gelang es überraschend schnell, die Schuldenlast abzubauen und dem Konzern ein neues, schlankeres Aussehen zu verpassen. Doch fragen sich inzwischen immer mehr Beobachter, ob die Schlankheitskur nicht zu weit gehen könnte.

Der Konzern hat seine Warenhaus-Immobilien wie das KaDeWe oder das Hamburger Alsterhaus verkauft und langfristig zurückgemietet. Das half den drückenden Schuldenberg abzubauen. Doch manche Analysten halten diesen Schritt für gefährlich. Schließlich ist Karstadt auf die 1a-Lagen angewiesen. Nur hier funktioniert das Konzept Warenhaus. Wenn irgendwann ein Mietvertrag gekündigt wird oder die Mieten zu hoch würden, kann Karstadt nicht einfach auf die grüne Wiese ausweichen.

Middelhoff hat die gesamte internationale Beschaffung an das weltweit größte Beschaffungsunternehmen Li & Fung Ltd. abgetreten und dem Hongkonger Unternehmen auch die eigene Beschaffungsorganisation verkauft. Karstadt-Quelle verspricht sich davon Preissenkungen im Einkauf von 5 bis 10 Prozent und mehr Flexibilität. Doch stellt sich die Frage, ob Karstadt damit nicht doch zu viel Kontrolle und Wissen aus der Hand gibt. Nicht umsonst heißt eine alte Händlerweisheit: "Im Einkauf liegt der Gewinn."

Karstadt verkauft nicht nur Neckermann, sondern will sich auch von der Mehrheit an seiner Service Group trennen, die mit 10 000 Beschäftigten in 14 Call Centern, fünf Auslieferungslagern und bei diversen IT-Dienstleistern die Bestellungen und Auslieferung sowohl für Quelle als auch für Neckermann abwickelt.

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