Karstadt: Rettung auf Messers Schneide

- Essen - Die Zukunft des angeschlagenen Handelsriesen Karstadt-Quelle steht auf des Messers Schneide. Auch nach dreitägigem Ringen um ein Sanierungspaket haben die Verhandlungen zwischen Vorstand und Arbeitnehmerseite bis zum gestrigen Abend keine Lösung gebracht. Die Verhandlungsführer stellten sich auf eine lange Nacht ein.

<P>Mit dem Beitrag der Belegschaft stehen oder fallen auch die anderen Bausteine des milliardenschweren Rettungsprogramms von Konzernchef Christoph Achenbach: Er wollte bis heute eine Einigung mit den Arbeitnehmern erreichen, weil der Aufsichtsrat heute auch die Weichen für die geplante Kapitalerhöhung im Volumen von 500 Millionen Euro stellen soll. Zudem verhandelt Karstadt-Quelle noch mit Banken über die Verlängerung von Kreditlinien im Volumen von 1,75 Milliarden Euro. Auch dies wird nach Aussage von Konzernsprecher Jörg Howe grundsätzlich von einem Durchbruch mit den Arbeitnehmern abhängig gemacht. Nach Informationen aus Bankenkreisen haben nahezu alle Institute bereits ihre Zustimmung signalisiert.</P><P>Unterdessen machten sich Verdi und der Karstadt-Quelle-Vorstand gegenseitig für die festgefahrenen Verhandlungen verantwortlich. Verdi hat nach Darstellung von Vorstandsmitglied Franziska Wiethold ein eigenes Paket auf den Tisch gelegt, mit dem in den nächsten drei Jahren bei Karstadt Personalkosten im Volumen von 480 Millionen Euro gespart werden können, ohne dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen muss. Im Kern gehe es darum, den angestrebten Stellenabbau von rund 3000 in der Verwaltung und 600 bis 800 in der Hauptverwaltung ohne betriebsbedingte Kündigungen zu bewerkstelligen. Dazu sollten die Betroffenen in den Verkaufsbereich versetzt werden. </P><P>Dieses Angebot ist nach Aussage Howes vom Vorstand als unzureichend abgelehnt worden. "Wir müssen einen Einsparungsbetrag von über 500 Millionen Euro erreichen, diese Zahl ist nicht verhandelbar", sagte der Konzernsprecher. Zusätzlich gehe es in der Versandhandelssparte - mit Quelle und Neckermann - um einen dreistelligen Millionenbetrag, nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" handelt es sich um 250 Millionen Euro. In der Versandsparte waren beide Seiten aber noch weiter von einer Lösung entfernt als im Warenhausbereich.</P><P>Verdi warf dem Management vor, aus "ideologischen Gründen" jeden Vorschlag der Beschäftigtenseite zu blockieren. Viele Sparvorschläge würden nicht akzeptiert, damit "aus Prinzip" tiefe Tarifschnitte vorgenommen werden könnten.</P><P>Bei der Trennung von großen Konzernteilen kommt das Management nach eigener Darstellung zügig voran. Achenbach sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", es gebe ein großes Interesse an allen zum Verkauf stehenden Unternehmensteilen. Für die 77 zur Disposition stehenden Karstadt-Warenhäuser liegen nach Aussage von Warenhausvorstand Helmut Merkel bereits "mehr als 100 Anfragen von Investoren" vor.<BR></P>

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