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Die Gespräche zwischen dem kanadischen Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) und dem österreichischen Karstadt-Eigner René Benko befinden sich wohl im Anfangsstadium. Foto: Martin Gerten

Strategie gegen Billiganbieter

Karstadt und Kaufhof sprechen über Zusammenarbeit

Kommt doch es doch noch zur Elefantenhochzeit zwischen Deutschlands größten Warenhauskonzernen? Angesichts der wachsenden Online-Konkurrenz sind die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof an den Verhandlungstisch zurückgekehrt.

Köln (dpa) - In den kriselnden deutschen Warenhausmarkt kommt plötzlich wieder Bewegung: Die Eigentümer von Kaufhof und Karstadt haben nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur neue Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit der Warenhausketten aufgenommen.

Die Verhandlungen zwischen dem kanadischen Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) und dem österreichischen Karstadt-Eigner René Benko befänden sich allerdings noch im Anfangsstadium, hieß es in informierten Kreisen. Zuvor hatten Reuters und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über neue Sondierungsgespräche berichtet.

Beide Warenhausketten leiden seit Jahren unter dem Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando. Verschärft wurde die Situation durch Managementfehler.

Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Der Kölner Handelsriese kämpft seit der Übernahme durch die Kanadier Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald verhandelt deshalb zurzeit mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag, der die Kosten des Unternehmens um einen Millionenbetrag senken soll.

Doch auch Karstadt hat nach einer harten Sanierung gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Im vergangenen Geschäftsjahr wies der Konzern bei weiterhin leicht rückläufigen Umsätzen erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen bescheidenen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen Euro aus.

Wie eine mögliche gemeinsame Zukunft der Warenhausketten aussehen könnte, darüber gibt es unterschiedliche Signale. Ein Unternehmenskenner berichtete dpa, seiner Einschätzung nach lägen "alle Optionen" auf dem Tisch - Kooperationen etwa bei IT und Logistik ebenso wie ein Gemeinschaftsunternehmen. Reuters berichtete, Karstadt könne eine Mehrheit von 51 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen übernehmen. HBC behalte in diesem Fall mit 49 Prozent einen wichtigen Anteil an seinem Europa-Geschäft.

Karstadt-Eigentümer Benko liebäugelt seit Jahren damit, auch den Kaufhof in sein Warenhausimperium zu integrieren und durch den Zusammenschluss der Rivalen eine "Deutsche Warenhaus AG" zu schaffen. Doch seine Anläufe zur Übernahme von Kaufhof waren in den vergangenen Jahren immer wieder gescheitert. Erst vor wenigen Monaten hatte HBC ein drei Milliarden Euro schweres Kaufangebot des Österreichers für den Kaufhof und ein damit verbundenes Immobilienpaket abgelehnt. Doch spielt die Zeit für den Österreicher. Denn nicht nur der Kaufhof steckt in Schwierigkeiten, auch der Mutterkonzern HBC hat in Nordamerika mit großen Problemen zu kämpfen.

Ein Zusammenschluss der beiden deutschen Traditionsunternehmen könnte nach Einschätzung von Handelsexperten zu einem massiven Stellenabbau führen. Denn es würde nicht nur eine Konzernzentrale überflüssig, auch etliche Warenhäuser stünden möglicherweise zur Disposition. Schließlich liegen die Häuser der Konkurrenten zuweilen nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt.

Karstadt-Chef Stephan Fanderl hatte diese Einschätzung allerdings erst kürzlich in einem Interview mit dem "Handelsblatt" als Angstmacherei zurückgewiesen. "Das stimmt einfach nicht", sagte er, kurz nach dem HBC das jüngste Signa-Übernahmeangebot zurückgewiesen hatte. "Für mich ist völlig klar: Wir hätten nur sehr, sehr wenige Filialen - sozial verträglich - schließen müssen."

Die Gewerkschaft Verdi betonte bereits, im Falle eines Zusammenschlusses stünden für sie drei Themen im Vordergrund: "Die Tarifbindung, die Beschäftigungssicherung und die Standortsicherung". Signa lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab. Von HBC war zunächst keine Äußerung zu erhalten.

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