Recherchen des Münchner Merkur

Karstadt: Verdi fühlt sich getäuscht

München - Verdi ist verärgert über den Kommunikationsstil von Karstadt: Noch in der letzten Sitzung des Gesamtbetriebsrats sei kommuniziert worden, es seien keine Filialschließungen geplant.

Die Verhandlungen des neuen Karstadt-Managements mit den Arbeitnehmervertretern über die geplanten Einsparungen sowie die Schließung von Filialen in den kommenden Wochen und Monaten dürften nicht leicht werden. Denn neben der generellen Kritik von Verdi und Betriebsrat an den Einsparungen sind die Arbeitnehmervertreter verärgert über den Kommunikationsstil der Handelskette.

Der für Verdi im Aufsichtsrat der Kaufhauskette sitzende Arno Peukes fühlt sich von der neuen Führung sogar getäuscht: „Noch auf der letzten Sitzung des Gesamtbetriebsrats hat die Arbeitgeberseite gesagt, es seien keine Filialschließungen geplant“, sagte er dem „Münchner Merkur“ (Samstagsausgabe).

Dabei habe Karstadt zumindest bei einer vor dem Aus stehenden Hamburger Filiale schon längst mit dem Vermieter über eine Auflösung des eigentlich bis 2020 befristeten Mietverhältnisses verhandelt. „Sonst hätte das Unternehmen nun ja nicht plötzlich den früheren Ausstieg aus dem Mietvertrag verkünden können“, ist der Gewerkschafter überzeugt.

Karstadt will sechs Filialen schließen

Die neue Führung um den unlängst eingestiegenen Investor René Benko habe dadurch sehr viel Vertrauen verspielt, so Peukes. Streiks schloss er allerdings zunächst aus. „Jetzt gilt es in den Verhandlungen mit dem Unternehmen das Beste für unsere Mitarbeiter in den sechs Filialen herauszuholen.“ Wenn das Unternehmen hier nicht einlenke, werde man frühzeitig über geeignete Maßnahmen wie Arbeitsniederlegungen nachdenken, droht er.

Karstadt will Arbeitnehmervertretern zufolge 2015 sechs Filialen schließen. Zusätzlich wolle der Konzern 2000 von derzeit insgesamt 17.000 Stellen bundesweit streichen. Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl will zudem mit den Belegschaftsvertretern „über Einsparungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sprechen und darüber, die Tarifpause über 2015 hinaus zu verlängern.“

Tobias Lill

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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