Karstadt vor zähem Ringen um Gehaltsverzicht und Arbeitsplätze

- Frankfurt - Bei den Rettungsbemühungen für den angeschlagenen Warenhausriesen Karstadt stellen die Arbeitnehmer Vorbedingungen für einen Solidarpakt mit dem Management. Nach Angaben der stellvertretenden Verdi-Vorsitzenden Franziska Wiethold sind Betriebsrat und Gewerkschaft zwar als Gegenleistung für eine Beschäftigungs- und Standortsicherung zum Verzicht auf übertarifliche Leistungen bereit. Darüber hinausgehende Kürzungen wie auch längere Arbeitszeiten lehnt die Arbeitnehmerseite aber ab.

<P>Zudem müssten betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden, verlangte Wiethold. Ferner sollten die 77 zum Verkauf vorgesehenen kleineren Warenhäuser im Karstadt-Konzern bleiben. Für den Fall, dass andere Bereiche wie zum Beispiel die Logistik verkauft werden, müsse der Käufer eine Garantie für Beschäftigung, Standorte und Tarifbindung abgeben.<BR><BR>Der Gesamtbetriebsratschef der Karstadt Warenhaus AG, Wolfgang Pokriefke, betonte aber auch: "Wir wollen alles dazu beitragen, dass diese Firma wieder nach oben kommt. Karstadt soll weiterhin seinen Platz in dieser Republik haben". Zum möglichen Spielraum bei den Verhandlungen sagte Wiethold lediglich: "Es gibt einen Korridor."<BR><BR>Der Gesamtbetriebsrat der Warenhaus-Sparte traf sich mit dem Management zu ersten Gesprächen, die dann am Freitag fortgesetzt werden sollen. In der kommenden Woche würden dann unter Beteiligung von Verdi offizielle Verhandlungen aufgenommen, wobei der genaue Wochentag noch nicht feststehe. Für die Versandhäuser Quelle und Neckermann seien bisher noch keine konkreten Aussagen über Sparpläne möglich. Ein Streik sei derzeit kein Thema.<BR><BR>Unterdessen hat Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement noch einmal Erwartungen an den Staat gedämpft. "Wir wollen den Prozess sehr aufmerksam begleiten, aber der Bund und das Land (Nordrhein-Westfalen) werden sich nicht an die Stelle des Unternehmens setzen", sagte er. Die öffentliche Hand stehe allenfalls mit den Instrumenten des Arbeitsmarktes zur Verfügung.<BR><BR>Für den Fortbestand der gefährdeten Häuser, von denen nach Angaben des Betriebsrats 55 weiterhin schwarze Zahlen schreiben, sieht Wiethold erste Signale der Konzernleitung. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass sich die Botschaft verändert hat in Richtung Standorte erhalten und neu ausrichten."<BR><BR>Die Karstadt Warenhaus AG gewährt ihren Beschäftigten derzeit übertarifliche Leistungen wie ein freiwilliges Weihnachtsgeld, das Pokriefke auf durchschnittlich 600 Euro pro Mitarbeiter bezifferte sowie Prämien und Sonderurlaube je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit. Insgesamt machen sie nach seiner Schätzung etwa zwei bis drei Prozent der Gehaltssumme aus. Der größte Teil des Urlaubs- und Weihnachtsgelds sei tariflich garantiert.<BR><BR>Die 7000 Mitarbeiter, die vor allem in den Verwaltungen der Filialen ihren Job verlieren sollen, könnten umgeschult und im Verkauf eingesetzt werden, sagte Wiethold. Nach ihren Worten sind bisher bis zu 20 000 Stellen von den geplanten Sanierungsmaßnahmen betroffen.<BR></P><P><BR> </P>

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