Karstadt-Chef gibt den kleinen Filialen drei Jahre Schonfrist

- Essen - Der KarstadtQuelle-Konzern will die vor der Ausgliederung stehenden 77 Warenhäuser ausdrücklich nicht schließen. Das erklärte die Essener Zentrale. Sie hätten gute Chancen, eigenständig erfolgreich zu sein, sagte Karstadt-Vorstandschef Helmut Merkel. Konzernchef Christoph Achenbach sagte dem "Focus": "Ich habe nie gesagt, dass diese Filialen kein Geld verdienen, und wir werden diese auch nicht schließen."

<P>Eine Einigung mit den Gewerkschaften müsse innerhalb von drei bis vier Wochen erzielt werden, betonte Achenbach. Wenn der Sanierungsplan nicht umgesetzt werde, würden Banken und Aktionäre kein Geld mehr zuschießen; "das wäre das Ende". Zu dem Sanierungskonzept gebe es keine Alternative.</P><P>Während die Gewerkschaft Verdi den Sanierungsplan ablehnt, zeigte sich der Betriebsrat kompromissbereit. "Wenn die Firma signalisiert, dass sie bereit ist, möglichst viele Standorte zu erhalten und möglichst auch einer Beschäftigungssicherung zustimmt, dann sind auch die Arbeitnehmer bereit, etwas zu geben", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Pokriefke der "Netzeitung".</P><P>Vorstand: Gewerkschaft betreibt Panikmache</P><P>Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold sagte dem "Spiegel" dagegen: "Das Karstadt-Sanierungskonzept tragen wir nicht mit, weil es Tausende Arbeitsplätze gefährdet. Wir stellen ein Konzept zur Beschäftigungssicherung dagegen." Über Streik rede Verdi noch nicht. "Karstadt kann nicht gegen die Beschäftigten saniert werden, sondern nur mit ihnen." <BR>Achenbach kritisierte es als "unerträglich, wie Verdi die Angst der Mitarbeiter als Werkzeug benutzt". Die Gewerkschaft sieht von der Sanierung bis zu 28 000 Stellen betroffen. Diese Zahl bezeichnete der Konzernchef als "Panikmache".</P><P>Karstadt-Quelle will zwei Hausgruppen bilden. Die erste umfasse das Kerngeschäft mit 89 großen Warenhäusern mit jeweils mehr als 8000 Quadratmetern und die zweite unter dem Arbeitstitel "Karstadt Kompakt" die 77 kleineren Häuser, für die zum 1. Januar 2005 eine eigene Karstadt-Gesellschaft gegründet und drei Jahre lang ein Investor oder Partner gesucht werden soll.</P><P>Jetzt übt auch CDU-Chefin Merkel Kritik</P><P>Hilfe der Politik will der Konzernchef nicht: "In der derzeitigen Situation kann uns der Kanzler nicht helfen. Wir müssen unsere Probleme selbst lösen", sagte Achenbach der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". CDU-Chefin Angela Merkel kritisierte in der "Welt am Sonntag" das Management: "Die Verantwortlichen haben einfach zu lange gewartet, statt sich wie andere auf neue Märkte einzustellen. Dafür müssen jetzt die Beschäftigten einstehen."</P><P><BR>Achenbach kündigte eine Ausdünnung der Sortimente in den Filialen an. In drei Jahren will Achenbach den Konzern auf Vordermann gebracht haben und den Konkurrenten Kaufhof als Nummer eins ablösen.</P>

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