KarstadtQuelle entlässt 800 Mitarbeiter

Drastischer Sparkurs: - Nürnberg/Fürth - Der KarstadtQuelle-Konzern schlägt bei der Versandsparte Quelle einen drastischen Sparkurs ein und steht vor harten Auseinandersetzungen mit den Beschäftigten. Sämtlichen 800 Mitarbeitern in zwei Call Centern von Quelle in Nürnberg werde zum Jahresende gekündigt, teilte der Geschäftsführer des Versandservices, Hanns Rech, am Mittwoch in Fürth mit.

"Wir müssen dringend Kosten sparen", sagte Rech. Die Beschäftigten erhielten dann die Möglichkeit, sich bei einer neuen GmbH wieder zu bewerben. Dort sollen sie bei verlängerter Wochenarbeitszeit und weniger Urlaub statt bisher durchschnittlich 2000 Euro nur noch zwischen 1100 und 1450 Euro brutto verdienen.

Die Gewerkschaft ver.di kündigte harten Widerstand an. "Wir stehen am Anfang einer langen Auseinandersetzung", sagte ver.di-Sekretär Johann Rösch auf einer Protestkundgebung mit etwa 300 Teilnehmern in Nürnberg. Zuvor waren die Arbeitnehmer von der Geschäftsleitung über das Angebot unterrichtet worden. Notfalls werde man streiken, sagte Rösch. Betriebsratschef Wolfgang Staudt sprach von sozialem Kahlschlag. Es herrsche grenzenlose Wut und Enttäuschung bei den Beschäftigten, von denen viele schon mehr als 20 Jahre bei Quelle arbeiten. "Das lassen wir uns nicht bieten", sagte Staudt.

Rech verteidigte die geplanten Maßnahmen. Quelle habe auch im vergangenen Jahr Umsatz verloren und Verluste gemacht. Man stehe in einem harten Wettbewerb mit anderen Versandunternehmen, aber auch mit mit Textildiscountern und Online-Händlern. "Wir sind uns bewusst, dass wir den Mitarbeitern sehr viel zumuten, aber wir müssen es tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben", sagte Rech. Die geplanten neuen Konditionen seien branchenüblich. Bereits am Donnerstag wolle man Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft aufnehmen.

Nach Rechs Angaben ist geplant, die bisherigen beiden Call Center aufzulösen und im Raum Nürnberg/Fürth ein neues Kundenzentrum mit 800 Mitarbeitern zu errichten. Die bisherigen Beschäftigten könnten sich dort bewerben und würden vorrangig eingestellt. "Wir wollen sie nicht verlieren", sagte Rech. Ein spezieller Service-Bereich mit derzeit rund 200 Mitarbeitern werde innerhalb Bayerns an einen grenznahen Standort verlegt.

Laut Betriebsratschef Staudt drohen den Beschäftigten Einkommenseinbußen bis zu 50 Prozent. Netto blieben bei Vollzeit noch 800 bis 900 Euro übrig. "Neben dem Gehalt müsste man noch Hartz IV beziehen, um überleben zu können", sagte Staudt.

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