KarstadtQuelle macht großen Schritt voran

- Essen- Der angeschlagene Handelskonzern KarstadtQuelle hat sich mit raschen Verkauf seiner kleinen Warenhäuser und der restlichen Fachgeschäfte Luft im Überlebenskampf verschafft. Allein mit dem Verkauf der Warenhäuser wurden knapp 500 Millionen Euro erlöst.

Damit sei der erste Teil des Verkaufsprogramms vor der selbst gesetzen Frist abgeschlossen worden, sagte Vorstandschef Thomas Middelhoff in Essen. Wie geplant flössen dank der erfolgten Verkäufe von Randaktivitäten insgesamt 1,1 Milliarden Euro in die Kasse.

Jetzt könne sich der Essener Handelskonzern wieder voll auf sein eigentliches Kerngeschäft konzentrieren. "Das ist ein Durchbruch für die nachhaltige Sanierung unseres Unternehmens", betonte Middelhoff. Gestartet werde nun auch der Verkauf des Ratenkreditgeschäftes und der Karstadt-Hypothekenbank, mit dem zusätzlich 1,3 Milliarden Euro erlöst werden sollen. "Wir verkaufen diese Posten nicht, weil wir müssen, sondern weil wir Spielraum nach vorne wollen", betonte Middelhoff. Die Finanzierung des Konzerns sei sichergestellt.

Die Gewerkschaft ver.di bewertete den Verkauf der Warenhäuser im Gesamtpaket positiv. Bei der Vereinbarung des Sanierungskonzeptes habe ver.di darauf gedrungen, dass es keine Rosinenpickerei geben dürfe, sagte ein Sprecher in Berlin. Nun gehe es darum, welche Vorstellungen die neuen Investoren im Detail hätten. "Wir fordern sie auf, kundenorientierten Einzelhandel zu betreiben, und damit die Häuser und die Arbeitsplätze dauerhaft zukunftsfähig zu machen."

KarstadtQuelle kämpfte in den ersten sechs Monaten 2005 weiter mit Umsatzrückgängen und wies erneut tiefrote Zahlen aus. Die Erlöse des Essener Konzerns (ohne die ausgegliederten Feinkostabteilungen) schrumpfte bei Verkäufen und internem Umbau um fast 8 Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Für die Waren- und Sporthäuser von Karstadt wird ein Umsatzminus von insgesamt 6,6 Prozent auf 2,26 Milliarden Euro ausgewiesen. Im Versandhandel um Quelle und Neckermann sank der Umsatz noch stärker um 8 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro. Auch bei Dienstleistungen und Immobilien sank der Umsatz im ersten Halbjahr.

Eine durchgreifende Sanierung des im vorigen Herbst von der Pleite bedrohten Handelskonzerns ist damit aber noch nicht geschafft: Unter dem Strich schlug im ersten Halbjahr 2005 immer ein Konzernverlust von 265 Millionen Euro zu Buche. Damit wurde der Verlust gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres nur um 11 Prozent verringert. KarstadtQuelle hatte vor rund zwei Wochen einen Gewinnwarnung herausgegeben und dabei die Prognose für das operative Ergebnis (EBITDA) im Gesamtjahr um 150 auf rund 350 Millionen Euro gesenkt.

Die anhaltenden Verluste belasten weiterhin die Bilanz von KarstadtQuelle. Trotz der Kapitalerhöhung vom Herbst weist der Konzern daher zum 30. Juni 2005 lediglich 320 Millionen Euro Eigenkapital aus. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 3,3 Prozent, nach 5,7 Prozent zum Jahresende und 12,8 Prozent Juni 2004.

Middelhoff betonte aber, dass KarstadtQuelle im operativen Geschäft bis auf eine Ausnahme deutliche Fortschritte gemacht habe. Die Handelsspanne habe sich allein im zweiten Quartal 2005 um 2,5 Prozent verbessert. Dies belege, dass die schlanken Strukturen griffen. Im Warenhausgeschäft sei die Talsohle erreicht. Nach einem guten Start in den Juli liege das Kerngeschäft der 89 großen Warenhäuser inzwischen erstmals seit Jahren wieder über Plan. Bei den kleinen Warenhäusern standen ursprünglich 75 auf der Verkaufsliste - nun hält KarstadtQuelle aber am Stammhaus in Wismar fest. "Wir haben uns verbunden gefüllt zu den Wurzeln des Konzerns", sagte Middelhoff. Die verkauften Warenhäuser dürfen für eine Übergangszeit den Namen City-Karstadt führen.

Erheblichen Handlungsbedarf sieht Middelhoff im Universalversand in Deutschland, dessen schlechte Entwicklung die Gewinnwarnung ausgelöst hatte. Es gebe zu dem Bereich Gespräche mit Arbeitnehmervertretern, über deren Inhalt aber Stillschweigen vereinbart worden sei.

Mit den Verkäufen von Randaktivitäten und dem vereinbarten Stellenabbau sinkt die Mitarbeiterzahl von KarstadtQuelle drastisch. Allein durch den Verkauf der kleinen Warenhäuser sowie der Veräußerung der Fachhandelsketten SinnLeffers (Textil) und Runners Point (Sportartikel), die am Mittwoch ebenfalls bekannt gegeben wurde, verlassen weitere 11 000 Mitarbeiter den Essener Konzern. Alle betroffenen Mitarbeiter würden von den neuen Eigentümern, den Finanzinvestoren, übernommen. Die Mitarbeiterzahl des Essener Konzerns war bis Ende Juni 2005 bereits auf 83 000 gesunken.

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