KarstadtQuelle-Chef Achenbach will gehen

- Frankfurt/Essen - Nach nur zehn Monaten im Amt hat der Chef des angeschlagenen Handelskonzerns KarstadtQuelle, Christoph Achenbach, nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen den Aufsichtsrat um Auflösung seines Vertrags gebeten. Achenbach habe keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gesehen, hieß es am Donnerstag. Ein Unternehmenssprecher wollte die Informationen weder bestätigen noch dementieren.

<P>Der 46-Jährige habe sich am späten Mittwochabend mit Vertretern des Aufsichtsrates von KarstadtQuelle auf diese Lösung geeinigt. Am Nachmittag tagt der Aufsichtsrat des Unternehmens, um sich mit der Personalie zu befassen. Die Börse reagierte zunächst mit einem kräftigen Kursplus für die KarstadtQuelle-Aktie.<BR><BR>Die Gerüchte um eine vorzeitige Ablösung Achenbachs an der Konzernspitze hatten schon seit längerem die Runde gemacht. Finanzvorstand Harald Pinger gilt als wahrscheinlicher Nachfolger. Ihm werde von den Banken zugetraut, den schwer angeschlagenen Handelskonzern wieder in Fahrt zu bringen.<BR><BR>Der unter Beobachtern als weiterer Nachfolge-Kandidat für den Chefposten geltende Vorstandsvorsitzende des Luxemburger LogistikKonzerns Thiel, Klaus Eierhoff, erklärte auf Anfrage, er stehe für einen erneuten Einstieg bei dem angeschlagenen Handelskonzern nicht zur Verfügung. Der als Handelsexperte geltende Manager war bereits von 1990 bis 1997 KarstadtQuelle-Vorstand.<BR><BR>Die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jella Benner-Heinacher, forderte unterdessen ein schnelles Ende der Personaldebatte bei dem ums Überleben kämpfenden Handelskonzern. Angesichts einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale bei dem Handelsriesen müsse nun der Sanierungskurs verschärft werden.<BR><BR>Das von Achenbach im Herbst vergangenen Jahres vorgelegte Konzept werde vor diesem Hintergrund nicht mehr ausreichen. Der im Juni vergangenen Jahres als Sanierer angetretene KarstadtQuelle-Chef habe sich mit seinem engen Zeitplan selbst unter Druck gesetzt. Vor allem bei seinem Verkaufsprogramm, das 1,1 Milliarden Euro in die Kasse bringen soll, habe der Konzernchef seine Ziele noch nicht erreichen können. "Achenbach hat sich selbst ins Knie geschossen", sagte Benner-Heinacher.<BR><BR>"Wenn jemand etwas öffentlich auf die Verkaufsliste setzt, fällt der Preis", sagte sie. KarstadtQuelle könne nun möglicherweise gezwungen sein, weitere Beteiligungen wie den Anteil an Thomas Cook abzugeben, um den dringend notwendigen Sanierungsbeitrag zu erlösen.<BR><BR>Achenbach war im Sommer vergangenen Jahres als dritter Konzernchef binnen vier Jahren ins Rennen gegangen. Mit der Vorlage des bis dahin radikalsten Sanierungsprogramms in der Konzerngeschichte sorgte er bereits wenige Monate später für öffentliches Aufsehen und hoch gesteckte Erwartungen bei Banken und Anteilseignern, die er jedoch nach Ansicht von Experten bislang nicht erfüllen konnte.</P>

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