+
Kunden der Lufthansa an einem Flughafenschalter in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini

Debatte über Ticketpreise

Kartellamt: Lufthansa für höhere Preise verantwortlich

Frankfurt/Main (dpa) - Im Streit um möglicherweise überhöhte Ticketpreise hat das Bundeskartellamt der Lufthansa einen Dämpfer verpasst.

Die Argumentation der deutschen Fluglinie, sie habe die Preise nicht erhöht, sondern das computerbasierte System habe diese automatisch der gestiegenen Nachfrage angeglichen, wollte der Präsident des Kartellamts in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" nicht gelten lassen. Unternehmen könnten sich nicht hinter Algorithmen verstecken, sagte Andreas Mundt. Diese würden schließlich nicht "im Himmel vom lieben Gott geschrieben".

Das Bundeskartellamt hat die Prüfung der Preisgestaltung der Lufthansa nach dem Aus des Konkurrenten Air Berlin aber noch nicht abgeschlossen. "Wir hatten viele Beschwerden von verschiedenen Seiten und nehmen uns deshalb der Sache an. Dazu befragen wir die Lufthansa und viele andere", sagte Mundt. Danach werde entschieden, ob es auch ein Verfahren gebe werde.

Der Kartellamtspräsident räumte in dem Interview ein, dass in einer Marktwirtschaft bei einem knapperen Angebot und weiterhin hoher Nachfrage die Preise steigen. Das sei nach dem Ausscheiden der Air Berlin der Fall gewesen. "Die Frage lautet nun: Ist eine Schwelle übertreten worden, ab der Lufthansa ihre neue Macht missbraucht und die Preise unangemessen heraufsetzt?" Das werde jetzt geprüft.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat den Vorwurf wiederholt zurückgewiesen und die hohen Durchschnittspreise vor allem bei Inlandsflügen mit dem knapperen Angebot begründet. "Von 140 ehemaligen Air-Berlin-Flugzeugen stehen 90 am Boden. Wir haben nicht genug Flugzeuge, um die Folgen dieser Sondersituation abzufedern", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Schon im Januar erwarte er wieder sinkende Ticketpreise, auch weil Konkurrenten wie Easyjet neue innerdeutsche Verbindungen auflegen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Unethische Gier“? Deutsche Lebensversicherer schwächeln - und geben Millionen an Mutterkonzerne ab
Den deutschen Lebensversicherern drohen Finanzprobleme. Das hält sie aber offenbar nicht davon ab, Millionen-Gewinne an ihre Mutterkonzerne abzuführen.
„Unethische Gier“? Deutsche Lebensversicherer schwächeln - und geben Millionen an Mutterkonzerne ab
Merkel berät mit Auto-Konzernchefs wegen Diesel-Fahrverbot
Seit Wochen gibt es in der Bundesregierung Kontroversen über Diesel-Nachrüstungen. Nach Fahrverboten und vor Landtagswahlen kommt Bewegung in die Debatte. Eine Lösung …
Merkel berät mit Auto-Konzernchefs wegen Diesel-Fahrverbot
Bericht: Peking sagt Handelsgespräche mit den USA ab
Der Handelskonflikt zwischen den USA und China erreicht an diesem Montag eine neue Eskalationsstufe. Dann greifen weitere Strafzölle. Reißt jetzt auch der Gesprächsfaden …
Bericht: Peking sagt Handelsgespräche mit den USA ab
Kreml: Russland könnte Nord Stream 2 allein bezahlen
Moskau (dpa) - Russland kann die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 im Falle von US-Sanktionen gegen europäische Partner nach eigenen Angaben auch allein …
Kreml: Russland könnte Nord Stream 2 allein bezahlen

Kommentare