Kartellamt unterbricht Doppelpass zwischen Premiere und Arena

Bundesliga: - München - Das Verwirrspiel um die Übertragung der Fußball-Bundesliga im Bezahlfernsehen geht in eine neue Runde. Auf Druck des Bundeskartellamts muss der Münchner Sender Premiere die Vermarktung des Bundesliga-Programms des Konkurrenten Arena über Satellit erst einmal einstellen. Die Premiere-Aktie rutschte ab.

Für Fußball-Fans, die bereits einen Abo-Vertrag haben, ändert sich kurzfristig nichts. Sie können die Fußball-Bundesliga wie gewohnt sehen. Doch wie es in der neuen Saison weitergeht, ist erst einmal ungewiss.

Noch in diesem Jahr startet die Versteigerung der Live-Rechte für die Spielzeiten von 2009/10 an. Für Premiere wie für Arena hat das Thema Fußball existenzielle Bedeutung. "Auf Dauer ist auf dem Pay-TV-Markt in Deutschland nur für einen Anbieter Platz", sagte ein Branchenexperte. Ähnlich wird das im Umfeld der beiden Unternehmen gesehen. Die Bundesliga-Rechte spielen bei dem Verdrängungswettbewerb eine Schlüsselrolle. Für die Premiere-Aktionäre gab es dabei ein Wechselbad der Gefühle. Bei der letzten Versteigerung der Pay-TV-Rechte schaute Premiere im Dezember 2005 in die Röhre, als sich der Neuling Arena die Rechte für drei Jahre sicherte. Der Premiere-Aktienkurs brach um die Hälfte ein.

Doch einfach war danach das Geschäft für beide Seiten nicht: Arena hatte zwar die Rechte, über einen attraktiven Kundenstamm aber verfügt Premiere. So entschlossen sich die beiden Erzrivalen im Februar zu einer engen Kooperation.

Premiere bot seither seinen Abonnenten das Arena-Bundesliga-Programm an. Arena wiederum wurde im Gegenzug quasi als stiller Teilhaber an der Premiere AG beteiligt. Vor allem diese Beteiligung ist dem Kartellamt laut Branchenkreisen nun ein Dorn im Auge. Bis Ende Mai sollen Arena und Premiere Vorschläge für eine kartellrechtlich verträgliche Lösung machen. Bis dahin kann Premiere keine Kunden mehr für das Arena-Angebot über Satellit werben.

"Der Schaden ist für Premiere überschaubar", meinte ein Branchenexperte. An den letzten Spieltagen der Saison seien ohnehin nicht mehr so viele Kunden zu gewinnen. Wie ein Kompromiss für die Zeit danach aussehen könnte, war aber offen. Der Premiere-Aktienkurs brach jedenfalls um mehr als acht Prozent ein.

Auch für Arena steht viel auf dem Spiel. Der Sender, hinter dem der Kabelkonzern Unity Media steckt, muss für die Rechte 200 Millionen Euro pro Saison zahlen. Hinzu kommen Investitionen in Werbung und Programm. Experten schätzen, dass der Sender bisher auf knapp 1,2 Millionen zahlende Abonnenten kommen dürfte. Von schwarzen Zahlen ist der Neuling damit weit entfernt.

Mit Spannung wird nun die neue Rechterunde erwartet. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) setzt darauf, dass Premiere und Arena gegeneinander bieten. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ist zudem überzeugt, dass es mindestens einen weiteren Bieter geben wird. Gerüchtehalber ist von RTL die Rede, von Finanzinvestoren, ProSiebenSat.1 und der Telekom. Mancher bringt sogar Leo Kirch ins Spiel. Die Milliardeninvestitionen in das Bezahlfernsehen hatten einst sein Medienimperium zum Einsturz gebracht.

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