Kartenbetrüger reisen zur Wiesn an: So können Sie sich schützen

- Es ist ihre Hoch-Zeit - die Zeit der Großereignisse, die Zeit des großen Gedränges in schmalen Gassen und langen Schlangen. Wenn die Wiesn Millionen von Besucher ruft, kommen auch viele ungebetene Gäste nach München: Trickdiebe, Bankkarten-Betrüger. Und es werden immer mehr.

Gängige Methoden

Besonders an stark frequentierten Geldautomaten an Hausfronten treiben die Täter gerne ihr Unwesen. "Sie möchten in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Kartennummern abgreifen", sagt Margit Schneider von Euro Kartensysteme, einem Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft.

Dafür installieren die Täter so genannte Kartenlesermundstücke an den Eingabeschlitzen der Automaten, die ein Auslesen des Magnetstreifens ermöglichen - sozusagen eine "Kopie" der EC-Karte machen. Eine installierte Kamera sorgt für den Blick auf die Tastatur, in die die ahnungslosen Opfer ihre Geheimzahl eintippen. Mit Hilfe dieser beiden Informationen ist das Konto dann im Ausland schnell abgeräumt.

"Es ist für den Laien schwer zu erkennen." Die Kameralinsen sind klein und können an sich überall versteckt sein - ob in einer Leiste des Geldautomaten oder in einem vermeintlichen Broschüren-Kasten neben dem Automaten.

Es muss nicht jeder Vorsatzkasten automatisch von Betrügern angebracht worden sein. In Köln etwa wurden derartige Vorsätze von den Banken selbst installiert, um Manipulationen zu verhindern. Auch in München seien einige Geldautomaten derart bestückt.

Nicht alle Täter sind mit High-Tech-Geräten unterwegs. Um an die EC-Karten heranzukommen, befestigen sie etwa eine Plastikschlinge im Karteneingabeschlitz - eine altbewährte, aber noch immer gängige Methode, die allerdings leichter entlarvt werden kann. Nachdem die Karte nämlich von der Schlinge "aufgefangen" wird, bekommt der Kunde weder Geld noch Karte.

Der beste Schutz

Der beste Schutz: aufmerksam und vorsichtig sein. Ein einfaches Handauflegen auf die Tastatur genügt, um ungewollten Blicken aus dem Weg zu gehen. Und das nicht allein von einer Kameralinse, sondern auch von einem neugierigen Augenpaar: Gerade beim Anstehen in der Schlange fällt ein Einzelner im Gedränge wenig auf. Und das machen sich gerade die einfachen Trickdiebe zunutze.

Grundsätzlich gilt: Bankkunden müssen ihre Pin-Nummer unbedingt geheim halten, die Geheimnummer darf nirgendwo notiert und an niemanden weitergegeben werden. Auch sollten sich Kunden beim Einsatz der Karte weder ablenken noch helfen lassen. Erscheint etwas merkwürdig, sollte der Vorgang abgebrochen und die Bank informiert werden. Außerdem sollte das Konto regelmäßig überprüft werden. Übrigens: Der Pin-Code ist nicht auf dem Magnetstreifen erkennbar. Damit auch im Wiesntrubel nichts passiert, sollte der Geldbeutel möglichst nah am Körper getragen werden. Wenn es ohne Tasche nicht geht, diese immer verschlossen halten.

Im Fall des Falles

Wenn's passiert ist, ist die Karte sofort zu sperren - Tag und Nacht. Der Kunde bekomme das Geld zurück, solange er nicht grob fahrlässig handelt, sagt Margit Schneider. Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn etwa die Pin auf der Karte vermerkt oder zusammen mit der Karte am gleichen Ort, wie im Geldbeutel, aufbewahrt wurde; der Geldbeutel unbeaufsichtigt, etwa im Auto oder am Arbeitsplatz, zurückgelassen wurde; das Abhandenkommen der EC-Karte nicht sofort bei der Bank oder der zentralen Sperrannahme 0 18 05/021 021 (oder 116 116 - vorwiegend Sparkassen- und Genossenschaftsbanken) gemeldet wurde. Weitere Infos unter www.kartensicherheit.de.

Innovationen

Um den Betrügern das Handwerk zu legen, gehen die Banken in die Offensive. Bereits Anfang der 90er Jahre sei in Deutschland für alle Geldautomaten ein Sicherheitsmodul entwickelt worden. Ein spezielles Merkmal verrät dem Automaten, dass es sich um eine Fälschung handelt. Das heißt: In Deutschland werden die Karten entwendet und im Ausland das Geld geholt.

Europaweit habe man sich auf eine neue Technologie geeinigt, so die Expertin: den EMV-Chip (Europay/Mastercard/Visa). Das Prinzip: Der Geldautomat liest nicht nur den Magnetstreifen, sondern überprüft auch die Karten-Echtheit, indem er den auf der Karte angebrachten Chip liest. "Und dieser Chip gilt als fälschungssicher." Das Umsetzungsproblem: Zuerst müssen alle EC-Karten (90 Mio. in Deutschland) damit ausgestattet sein, dann alle Geldautomaten (50 000) umgerüstet werden. In England etwa sei dies komplett, in Frankreich zum Großteil geschehen. Im Frühjahr fanden technische Tests in Deutschland statt, jetzt würde sukzessive umgestellt.

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