Karten-Notruf sucht Anschluss: Banken zögern bei Sperr-Hotline

- München - Ist die Bankkarte verschwunden oder die Kreditkarte gestohlen, gibt es nur eine richtige Reaktion: sperren lassen. Dabei soll ab 1. Juli eine zentrale und kostenlose Sperr-Hotline helfen. Doch deren Anwahl wird zunächst den wenigsten Bankkunden etwas bringen. Die Institute ziehen bislang nicht mit.

<P class=MsoNormal>Derzeit gibt es eine Vielzahl von Sperrnummern - je nach Kartenart und Aussteller (siehe Kasten). Doch nicht einmal jeder Fünfte hat diese Sperrnummern griffbereit, wie eine Umfrage ergeben hat. Ab 1. Juli könnte es eine einfache Lösung geben. Unter der Nummer 116 116 soll künftig jeder Hilfe bekommen. Und das deutschlandweit gebührenfrei. Doch die verbraucherfreundliche Idee kommt bei den Banken noch nicht an. "Aller Voraussicht nach werden die meisten Banken und Sparkassen nicht dabei sein, wenn die Sperr-Hotline am 1. Juli startet", erklärte eine Sprecherin des Zentralen Kreditausschusses (ZKA), dem die großen deutschen Bankenverbände angehören.</P><P class=MsoNormal>Recherchen dieser Zeitung ergaben, dass weder Sparkassen noch Genossenschaftsbanken bislang an das System angeschlossen sind, wie deren Bundesverbände mitteilten. Auch die Postbank und die großen Privatbanken HypoVereinsbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank sowie Commerzbank erklärten, nicht beteiligt zu sein. Dasselbe gilt für das Kreditkartenunternehmen Visa. Es müssten noch "etliche Fragen in technischen und rechtlichen Angelegenheiten" geklärt werden, sagte die ZKA-Sprecherin.</P><P class=MsoNormal>Die Hotline wird vom Verein Sperr eV getragen, hinter dem Unternehmen aus Telekommunikations-, Karten- und Finanzbranche stehen. Die Mitarbeiter der Hotline sollen nicht selbst die Sperre von Karten übernehmen, sondern die Anrufer an die bestehenden Sperr-Systeme vermitteln. "Das hat also nur einen Vorteil: die einheitliche Nummer für alle Karten. Aber es gibt dabei keinerlei Zeitersparnis oder dergleichen", kritisiert eine Sprecherin der Postbank. Sie verweist auf die bereits existierende Sperrnummer 0 18 05 / 021 021, unter der bundesweit einheitlich EC-Karten (bzw. Maestro-Karten) und Bankkarten gesperrt werden können. "Wir wollen lieber, dass uns der Kunde direkt anruft", heißt es auch bei der Dresdner Bank.</P><P class=MsoNormal>Das hat unter anderem rechtliche Relevanz. Bislang gilt laut ZKA: Sobald der Mitarbeiter der Sperr-Stelle das Telefon abhebt, haftet der Kunde nicht mehr für Missbrauch seiner Bankkarte. Dies sei für die neue Sperr-Hotline allerdings nicht geklärt. Auch sei die Haftungs-Frage für den Fall offen, dass die Hotline eine Sperr-Stelle nicht sofort erreicht.</P><P class=MsoNormal>Trotz des Klärungsbedarfs sehen die meisten Institute die einheitliche Sperr-Nummer positiv. "Wir finden das eine sehr gute Idee", heißt es etwa beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. "Wir stehen dem aufgeschlossen gegenüber", beteuerte eine Commerzbank-Sprecherin. Doch auf ihre Teilnahme festgelegt hat sich noch keiner von ihnen. Man sei in Gesprächen und werde sich innerhalb der nächsten 14 Tage entscheiden, erklärte ein Sprecher der HypoVereinsbank.</P><P class=MsoNormal>Für den Start am 1. Juli könnte das zu spät sein. Aber Michael Denck, Vorstandsvorsitzender des Sperr eV, will das nicht als Problem sehen. "Wenn eine Bank noch nicht am 1. Juli dabei ist, sondern am 1. August, ist sie auch herzlich willkommen", sagt er. "Damit können wir gut leben." Zudem sei die Sperr-Hotline nicht auf die Finanzbranche beschränkt. Auch Handykarten, Mitarbeiterausweise oder Bibilotheksausweise könnten über die Hotline gesperrt werden. Man habe bereits "einige Unternehmen unter Vertrag, auch aus der Finanzbranche", erklärte Denck. Man werde aber erst Anfang Juni Näheres bekanntgeben. Beim ZKA betont man derweil, die Kunden könnten sich darauf verlassen, dass die bisherigen Sperrnummern auch nach dem 1. Juli gültig bleiben.</P>

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