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Wettlauf um die Versicherten: Mehrere Kassen wollen Prämien ausschütten oder die Praxisgebühr erstatten. Experten warnen jedoch vor einem überstürzten Wechsel der Versicherung.

Gesundheit

Wie Kassen-Prämien versteuert werden

München - Bei den Krankenkassen ist ein Wettlauf um die Gunst der Versicherten entbrannt. Mehrere große Kassen wollen Prämien zahlen oder die Praxisgebühr erstatten. Was die Ausschüttung für die Steuer bedeutet und was bei einem Wechsel der Versicherung zu beachten ist.

Den Anfang machte Mitte September die Techniker Krankenkasse. Als erste große Versicherung kündigte sie die Ausschüttung von Prämien an. In den vergangenen Tagen folgten weitere Kassen. Die KKH-Allianz will etwa ihren Versicherten künftig die Praxisgebühr erstatten. Voraussetzung ist aber die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitsprogrammen. Insgesamt sind vier Nachweise im Jahr nötig. Ein ähnliches Programm hat auch die TK angekündigt. Die wichtigsten Antworten zum Thema Prämie.

Lohnt sich wegen der Prämie der Kassenwechsel?

„Auf keinen Fall sollte man jetzt überstürzt die Kasse wechseln“, warnt Ilona Köster-Steinebach, Gesundheitsexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Entscheidend sei vielmehr das Gesamtangebot der Versicherung. Dazu gehören Erreichbarkeit, Kundenservice und Zusatzleistungen wie etwa Reiseimpfungen. Gerade für chronisch Kranke sei es wichtig, ob die Kasse eigene Versorgungsprogramme anbietet.

Solche Zusatzleistungen seien weit mehr wert als eine einmalige Prämie, sagt Köster-Steinebach. Die angekündigte Erstattung der Praxisgebühr hält die Gesundheitsexpertin für eine Täuschung. „Hier wird vor allem gesundheitsbewusstes Verhalten belohnt.“ Dies sei zwar durchaus zu begrüßen. „Solche Bonusprogramme gibt es aber bei vielen Kassen mit teils höheren Rückerstattungen.“ Einen guten Überblick über das Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenkassen bietet die unabhängige Stiftung Warentest.

Welche Kündigungsfristen gelten?

Grundsätzlich gilt beim Wechsel der Krankenkasse eine zweimonatige Kündigungsfrist zum Monatsende. Das heißt konkret: Wer im Oktober seine Versicherung kündigt, kann frühestens zum 1. Januar bei einer anderen Kasse aufgenommen werden. Wechseln kann allerdings nur, wer bereits 18 Monate Mitglied bei seiner bisherigen Versicherung war. Für Mitglieder, die einen Wahltarif zur Beitragsrückerstattung oder Kostenerstattung gewählt haben, gilt eine Bindungsfrist von mindestens einem Jahr. Versicherte mit einem Selbstbehalttarif oder einem Wahltarif Krankengeld dürfen sogar erst nach drei Jahren zu einer anderen Kasse wechseln. Verlangt die Versicherung erstmals einen Zusatzbeitrag, gelten Sonderkündigungsfristen.

Wie funktioniert der Wechsel konkret?

Um die Kasse zu wechseln, sind mehrere Schritte nötig: Zunächst kündigt man bei seiner alten Kasse – am besten schriftlich per Einschreiben mit Rückschein.

Die bisherige Versicherung ist verpflichtet, innerhalb von zwei Wochen eine Kündigungsbestätigung auszustellen. Damit wird bei der neuen Kasse die Mitgliedschaft beantragt. Die neue Mitgliedschaft legt man wiederum bei der alten Kasse vor. Erst damit wird die Kündigung wirksam. Zuletzt sollte noch der Arbeitgeber über den Krankenkassenwechsel informiert werden.

Müssen Prämien oder erstattete Praxisgebühren versteuert werden?

Grundsätzlich gibt es zwischen Prämien und Praxisgebühren, die Kassen im Rahmen eines Bonusprogramms erstatten, steuerlich keinen Unterschied. Beide mindern den Sonderausgabenabzug. Was heißt das? Seit 2010 können Krankenkassenbeiträge stärker als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden. Schüttet die Kasse eine Prämie aus, verringert sich der Krankenkassenbeitrag, der von der Steuer abgesetzt werden kann, um den entsprechenden Beitrag. Das Gleiche gilt für die angekündigte Erstattung der Praxisgebühr. Hier handele es sich streng genommen um ein Bonusprogramm, mit dem die Kasse gesundheitsbewusstes Verhalten fördere, so Alexander Ulbricht, Sprecher beim Bayerischen Landesamt für Steuern. Die Krankenkasse meldet die Rückerstattung elektronisch an das Finanzamt – schummeln ist daher zwecklos.

Was passiert, wenn die Regierung kurzfristig die Praxisgebühr abschafft?

Fällt die Zehn-Euro-Abgabe weg, könne die Praxisgebühr natürlich nicht über ein Bonusprogramm erstattet werden, sagt Michael Schmitz, Sprecher bei der Techniker Krankenkasse. Allerdings gebe es bisher schon Bonusprogramme für gesundheitsbewusstes Verhalten, die weiter bestehen bleiben, so Schmitz.

VON STEFFEN HABIT

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